Nadine

Grillen auf dem Balkon: Wenn der Rauch für Zunder sorgt

 

 

Klettern die Temperaturen über 15 Grad und lassen sich die ersten Sonnenstrahlen blicken, ist das für viele Balkon- und Gartenbesitzer zugleich der Startschuss für die sehnlichst erwartete Grillsaison. Doch so schön das Steak-Brutzeln im Grünen auch ist, gibt es dabei auch ein paar rechtliche Dinge zu beachten. Damit der Rauch nicht für Zunder unter den Nachbarn sorgt, verrät ROLAND-Partneranwalt Markus Hannen, wie man laut Mietrecht beim Grillvergnügen auf der rechtlich sicheren Seite ist.

Wie oft ist Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse erlaubt?

Eine eindeutige gesetzliche Regelung, wie oft das Grillen auf dem Balkon oder im Garten erlaubt ist, gibt es nicht: „Je nach Gericht reichen die Einschränkungen von einmal im Monat mit Vorankündigung bis hin zu fünfmal im Monat“, weiß Rechtsanwalt Markus Hannen. Grundsätzlich gilt: Übermäßiger Rauch und Gerüche zum Beispiel von Holzkohlegrills sollten verhindert werden, weil das die Nachbarn belästigen könnte – insbesondere, wenn der Rauch in Wohn- oder Schlafräume eindringt. Da der Balkon-Griller im Sommer damit rechnen muss, dass die Fenster seiner Nachbarn offen stehen, sollte er hier unbedingt Rücksicht nehmen.

„Dringt durch Grillen auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten starker Geruch und Qualm in die Nachbarwohnungen, kann dies nicht nur einen Verstoß gegen mietvertragliche Pflichten, sondern auch gegen landesrechtliche Emissionsschutzgesetze darstellen“, erklärt der Anwalt. Es entscheide immer der Einzelfall, ob eine erhebliche Beeinträchtigung der Nachbarn vorliege. Bei Grillpartys auf größerer Terrasse oder im Garten eines Mehrfamilienhauses sollten Gastgeber daher etwa 48 Stunden vor dem Fest die Nachbarn informieren. So können sich diese darauf einstellen und die Fenster rechtzeitig schließen.

Rücksichtnahme ist wichtig

Allgemein sollte man – unabhängig davon, ob man Mieter oder Wohnungseigentümer ist – Rücksicht auf die Interessen seiner Nachbarn nehmen, um den Hausfrieden zu wahren. Hierzu zählt auch, dass nur in bestimmten Abständen von einzelnen Parteien eines Mehrfamilienhauses oder einer Wohnungseigentümergemeinschaft auf dem Balkon oder im Garten gegrillt werden sollte. „Allgemein üblich wird hier zumindest ein Abstand von zwei Wochen angenommen“, so Markus Hannen. Das heißt, große Gartenfeste sollten höchstens viermal im Jahr, Feste auf Balkonen oder Terrassen in der Zeit von April bis September nicht mehr als zweimal im Monat gefeiert werden.

Anwohner, die sich durch übermäßigen Qualm oder zu häufiges Grillen gestört fühlen, sollten zunächst das direkte Gespräch mit dem Verursacher suchen. Zeigt sich dieser jedoch uneinsichtig und ändert sein Verhalten nicht, kann sich der Nachbar an den Vermieter wenden. Im Extremfall kann sogar die Polizei eingeschaltet werden. „Rücksichtlose Grillmeister müssen mit einem Bußgeld – insbesondere im Wiederholungsfall – von bis zu 2.000 Euro rechnen“, so der Rechtsanwalt.

Mieter sollten Grillverbote des Vermieters beachten

Während diese Regeln für alle Bürger gelten, müssen Mieter laut Mietrecht zusätzlich prüfen, ob es für sie ein Grillverbot gibt. Denn: „Manche Vermieter schließen im Mietvertrag oder der Hausordnung aus, dass der Mieter auf dem Balkon oder im Garten grillen darf“, erklärt Markus Hannen. Solche Grillverbote sind bindend. Wer sich nicht daran hält, kann vom Vermieter abgemahnt werden. „Missachtet der Mieter das Grillverbot auch nach einer Abmahnung, kann der Vermieter das Mietverhältnis fristlos kündigen“, sagt Anwalt Hannen.

Und: Ein Grillverbot kann auch für den Elektro- oder Gasgrill gelten. „In der Rechtsprechung werden zwar Unterschiede gemacht, ob ein Elektro-, Gas- oder Holzkohlegrill benutzt wird. Aber auch wenn bei ersteren meist weniger Qualm entsteht, hängt es von der örtlichen Rechtsprechung ab, ob ein Elektro- oder Gasgrill benutzt werden darf“, ergänzt Markus Hannen. Hat der Vermieter kein Grillverbot im Mietvertrag verhängt, darf auch kein nachträgliches Grillverbot ausgesprochen oder per Aushang einseitig in die Hausordnung aufgenommen werden, so der ROLAND-Partneranwalt.

Wer eine Eigentumswohnung besitzt, muss die Beschlusslage der Eigentümergemeinschaft prüfen, da bereits in der Vergangenheit beschlossene Grillbeschränkungen oder sogar Verbote auch für einen neu in eine Eigentümergemeinschaft eintretenden Eigentümer gelten. Die Eigentümergemeinschaft hat das Recht, Grillen uneingeschränkt zu verbieten, zeitlich und/oder örtlich nur begrenzt zu erlauben oder gegebenenfalls (in einer weiträumigen Gartenanlage) uneingeschränkt zu gestatten.

Ruhestörung: Wenn die Nacht zum Tag wird

Eine Grillparty, zur WM vielleicht sogar kombiniert mit dem gemeinsamen Fußball-Gucken – wer lädt da nicht gerne auch mal ein paar mehr Freunde und Familienmitglieder ein? Wenn es dann abends auf dem Balkon oder im Garten etwas später und lauter wird, können Beschwerden wegen Ruhestörung für ein jähes Ende der Feier sorgen. Aber wann muss man seine Gäste nach Hause schicken oder sich mit ihnen nach drinnen verziehen? Markus Hannen erklärt: „Zwischen 22 und 6 Uhr gilt in Deutschland Nachtruhe. In dieser Zeit darf auch in normaler Gesprächslautstärke nicht mehr auf Balkonen oder Terrassen weiter gefeiert werden.“ Allerdings dürfe sich bis zu diesem Zeitpunkt niemand über ein lebhaftes Gespräch oder Torjubel aufregen. Einzig zum Thema Mittagsruhe sollte man sich informieren: „Hier gibt es keine bundeseinheitliche Regelung. Mieter können der Hausordnung Hinweise auf eventuell vorgeschriebene Zeiten entnehmen“, so der Anwalt.

Zusammengefasst sollten Mieter genau wie Immobilieneigentümer beim Grillvergnügen stets etwas „Nasen-“ und „Ohrenmaß“ walten lassen. Denn mit Rücksichtnahme lassen sich Konflikte mit den Nachbarn oft vermeiden. Und wer sogar aktiv zur guten Nachbarschaft beitragen möchte, kann natürlich auch zum grillen einladen: Gemeinsam macht es doch eh am meisten Spaß.

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Als Liebhaberin von Paprikachips würde Nadine gern den Konsum des suchtgefährdenden Kartoffelprodukts per Gesetz finanziell unterstützen. Dafür reicht ihr von ihren Mitmenschen dann auch ein ganz einfaches „Dankeschön!“. Und weil sie so gerne zur Arbeit fährt, würde sie sich am liebsten per Superkraft schnell zu ihren Kollegen beamen.

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Markus Hannen

Rechtsanwalt Markus Hannen ist Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie Arbeitsrecht bei der Anwaltssozietät Franken · Grillo · Steinweg in Bonn. Auf diesen Gebieten verfügt er über eine mehr als 15-jährige Praxis. Darüber hinaus vertritt Rechtsanwalt Hannen sowohl Ärzte als auch Patienten im Gebiet des Medizinrechts, inbesondere des Arzthaftungsrechts.

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