Anne

Umzug: stressfrei ins neue Zuhause

Vor kurzem ist meine kleine Schwester umgezogen. Wie es bei einem Umzug meistens so ist, hat sie kurzerhand Freunde und Familie zusammengetrommelt. Alle schleppten – mehr oder weniger freiwillig – zusammen die Möbel in den dritten Stock. Es kam, wie es kommen musste: Einem Umzugshelfer rutschte die schwere Kiste aus den Händen und eine gute Vase ging zu Bruch. Da meine Schwester keinen Stress wollte, hat sie den Schaden einfach hingenommen. Aber hätte sie in diesem Fall anrecht auf Schadenersatz gehabt? In wie wäre der Fall, wenn es kein Freund, sondern ein professionelles Umzugsunternehmen gewesen wäre? Ich habe direkt recherchiert und Katalin Winkler um Rat gefragt, die mir einiges Interessantes erzählt habt. Neben allen Fragen rund um Helfer und Umzugsunternehmen habe ich auch eine kleine Umzugscheckliste für euch erstellt.

Freundschaftsdienst: Wer haftet für Schäden?

Freunde und die Familie haben sich versammelt, der Umzug kann starten. Was aber ist, wenn jemand – wie es bei meiner Schwester passiert ist – beim Tragen etwas beschädigt? „Grundsätzlich gilt: Wer eine fremde Sache beschädigt oder eine Person verletzt, muss den Schaden ersetzen. Bei Freundschaftsdiensten machen Gerichte jedoch eine Ausnahme“, weiß Katalin Winkler. Helfen Freunde und Bekannte beim Umzug, trägt der Umziehende das Risiko für Schäden. Ein Freund soll schließlich für seine Gefälligkeiten nicht auch noch bestraft werden – es sei denn, er handelt vorsätzlich oder grob fahrlässig. Rutscht einem Umzugshelfer also versehentlich eine Porzellankiste aus den Händen oder hinterlässt er eine Schramme an der Wand im Treppenhaus, haftet er nicht dafür. Denn auch für Schäden an der Immobilie gilt: Der Mieter haftet für seine Helfer, da sie seine „Erfüllungsgehilfen“ im Rahmen des Umzugs sind. Wer umzieht, sollte daher im Vorfeld seine Versicherungsbedingungen überprüfen und gegebenenfalls die Police auf Gefälligkeitsschäden ausweiten.

Umzugsunternehmen: Wer kommt für Schäden auf?

Anders sieht es aus, wenn ihr ein Umzugsunternehmen engagiert habt. In der Regel haftet dieses – allerdings nur bei Schäden bis 620 Euro pro Kubikmeter Umzugsgut. „Die wertvolle Ming-Vase bzw. das Designermöbelstück sollte daher mit einer gesonderten Transportversicherung bedacht werden“, rät Katalin Winkler. Selbstverständlich haftet das Umzugsunternehmen nur für selbst verursachte Schäden. Wer unglücklich packt und hierdurch bewirkt, dass in der ordnungsgemäß transportierten Kiste etwas kaputtgeht, hat keinen Schadensersatzanspruch. Auch wer dem Unternehmen zur Hand geht und hierbei einen Schaden selbst verursacht, hat natürlich keine Ansprüche.

Zudem sehen Umzugsunternehmen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen oftmals Haftungsausschlüsse vor, zum Beispiel für Schäden durch „unabwendbare Ereignisse“ wie einen Sturm oder starken Regen. Auch Schäden durch Dritte werden oft ausgeschlossen, soweit diese aufgrund von Unfallflucht oder mangelndem Versicherungsschutz nicht haftbar gemacht werden können. Nicht der Haftung unterliegen zudem lebende Tiere und Pflanzen, Edelmetalle, Juwelen, Edelsteine, Geld, Briefmarken, Münzen, Wertpapiere und Urkunden. Diese solltet ihr besser selbst transportieren.

Wichtig: Äußerlich erkennbare Schäden müsst ihr der Umzugsfirma spätestens am Tag nach dem Umzug schriftlich anzeigen. Versteckte Schäden, das heißt solche, die erst nach dem Auspacken erkennbar sind, müsst ihr innerhalb von 14 Tagen nach Umzug bei der Spedition anzeigen.

Verletzungspech beim Umzug: Wer ist verantwortlich?

Die schwere Umzugskiste alleine hochgehoben – und schon ist es passiert: Der Rücken ist verknackst. Hier gilt: „Verletzt sich der Umzugshelfer aus Unachtsamkeit selbst, ist das sein Risiko. Dies gilt auch, wenn er dadurch mehrere Tage krank ist. Die gesetzliche Unfallversicherung ist nicht zuständig“, erklärt Katalin Winkler. Soweit der Umziehende den Unfall verurs acht hat, etwa weil er auf eine bestimmte Gefahrenquelle nicht hingewiesen hat, kann auch er in Anspruch genommen werden. Ist ein Umzugsunternehmen tätig, greift die gesetzliche Unfallversicherung, wenn sich ein Angestellter des Unternehmens verletzt.

Checkliste Umzug:

Nachdem wir nun geklärt haben, was beim Umzug alles schief gehen kann, hier noch eine kleine Checkliste für einen reibungslosen Umzug:

Punkt 1: der neue Mietvertrag – vor der Unterschrift lieber genau hinschauen

Bevor ihr den Vertrag für die neue Wohnung unterzeichnet, solltet ihr genau hinschauen: „Viele Verträge enthalten veraltete oder unwirksame Bestandteile. Dazu gehören zum Beispiel Klauseln, die den Mieter verpflichten sollen, nach starren Fristen Schönheitsreparaturen an der Wohnung durchzuführen.“ Auch bei der Quadratmeterzahl macht es Sinn, selbst den Zollstock anzulegen – sogar noch im Nachhinein. „Weicht die abgemessene Quadratmeterzahl um mehr als 10 Prozent von der Angabe im Mietvertrag ab, kann der Mieter auch rückwirkend einen Teil der Miete einfordern.“

Punkt 2: die alte Wohnung kündigen – nicht jeder Weg führt zum Ziel

Der nächste Punkt auf der To-do-Liste: die alte Wohnung kündigen. „Hier gilt nicht – wie oft angenommen – das Datum des Poststempels. Die Kündigung muss spätestens am Fristdatum auf dem Schreibtisch des Vermieters liegen“, erklärt Katalin Winkler. Doch Vorsicht: Nicht jeder Versandweg ist rechtssicher. „Bei einem Einwurf-Einschreiben wird die Zustellung zwar durch den Postboten quittiert. Vor Gericht wird das aber nicht immer als Nachweis anerkannt.“ Bei einem Einschreiben mit Rückschein bestätigt der Empfänger hingegen selbst, dass er den Brief bekommen hat. Einziges Problem: Kann der Vermieter den Brief nicht entgegennehmen, gilt die Kündigung als nicht zugestellt. „Der Mieter hat leider keine Handhabe, wenn dann die Kündigungsfrist abläuft.“ Wer auf Nummer sicher gehen will, gibt das Schreiben also besser persönlich und zusammen mit einem Zeugen ab.

Punkt 3: alte Möbel vor die Tür – Passanten dürfen sich nicht bedienen

Ein Umzug ist der perfekte Zeitpunkt zum Ausmisten. Wer das durchgesessene Sofa oder das alte Regal auf dem Sperrmüll loswerden will, sollte sich aber rechtzeitig informieren. „Manche Kommunen bieten eine Abholung gar nicht an, in anderen Städten hingegen ist sie kostenpflichtig“, erklärt die Rechtsexpertin. „Außerdem ist zu beachten, welche Gegenstände man überhaupt auf die Straße stellen darf.“ Ein Irrtum zum Sperrmüll hält sich übrigens hartnäckig. Auch wenn es verlockend ist – den antiken Stuhl oder das gut erhaltene Schuhregal vom Sperrmüll zu „stibitzen“ ist rechtswidrig. „Die Gegenstände gehen automatisch in den Besitz der Gemeinde über. Passanten dürfen sich deshalb nicht einfach am Sperrmüll bedienen. Ist der Sperrmüll in einer Stadt kostenpflichtig, dürfen die Nachbarn auch nicht einfach eigene Möbel dazustellen.“

Punkt 4: raus aus dem alten, auf ins neue Heim – so bleibt der „Haussegen“ gerade

Egal ob Mieter ihre alte Wohnung übergeben oder die neue in Empfang nehmen: „Man sollte in jedem Fall ein Übergabeprotokoll aufsetzen“, rät Katalin Winkler. Und dabei darf man auch ruhig ein bisschen pingelig sein. „Sowohl Mieter als auch Vermieter profitieren davon, alles detailliert und am besten sogar mit Fotos festzuhalten.“ Denn so umgeht man vielleicht später einen Rechtsstreit. Was sicherlich nicht zum Frieden beiträgt: In der Annahme, so auf einfachem Wege die Kaution wiederzubekommen, behalten manche Mieter die letzten Monatsmieten ein. „Das ist jedoch rechtswidrig. Denn schließlich sind Miet- und Kautionszahlung rechtlich gesehen nicht das Gleiche.“ Ein weiterer Zankapfel bei der Wohnungsübergabe: knallige Farben und bunte Fototapeten. „Während der Mietzeit sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Beim Auszug sollten die Wände aber farblich dezent und vor allem leicht überstreichbar sein.“ Dass der Vermieter nur strahlend weiße Wände akzeptieren muss, ist und bleibt ein Irrtum.

Punkt 5: Umzugstag – Vorsicht bei der Parkplatz-Reservierung

Wer möchte schon gerne schwer beladen mit Waschmaschine und Co. weit laufen. Um den Weg vom Möbelwagen zum Haus möglichst kurz zu halten, empfiehlt es sich, vorübergehende Halteverbotszonen oder Ausnahmen von einer bestehenden Park- oder Halteverbotsregelung bei der Straßenverkehrsbehörde zu beantragen. Dort erhaltet ihr in den meisten Fällen auch direkt behördliche Verkehrszeichen. Mit diesen könnt ihr den benötigten Platz selbst reservieren. Und was ist, wenn jemand die Schilder am Umzugstag missachtet? Dann könnt ihr euch mit dem Ausstellungsprotokoll und der behördlichen Genehmigung an die Polizei und das Ordnungsamt wenden – die den Falschparker notfalls abschleppen lassen. Katalin Winkler warnt jedoch: „Wer über keine Genehmigung verfügt und selbst eine Halteverbotszone konstruiert, macht sich im Schadensfall selbst haftbar und muss mit einem Bußgeld rechnen.“

Punkt 6: Behördengänge: Ummelden nicht vergessen!

Der Umzug ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Nun heißt es: Schnell zum Amt! Denn nach einem Umzug muss einiges geändert werden:

  1. Ummeldung: Eine Ummeldung beim Einwohnermeldeamt ist binnen 14 Tagen erforderlich. „Wer beim Ummelden bummelt, riskiert ein Bußgeld“, erklärt Katalin Winkler.
  2. Vermieterbescheinigung: Seit dem 1. November 2015 ist zudem eine Vermieterbescheinigung erforderlich, aus der der Name und die Anschrift des Vermieters, Angaben über den Einzug mit dem Datum, die Adresse der vermieteten Wohnung und die Personalien der neuen Mieter ersichtlich sein müssen. Vordrucke für diese Bescheinigung liegen bei den meisten Einwohnermeldeämtern aus oder können online ausgefüllt werden.
  3. Kfz-Schein: Weiter müsst ihr unverzüglich den Kfz-Schein mit der neuen Adresse aktualisieren.
  4. Nachsendeauftrag und Anbieterwechsel: „Damit nach dem Umzug alles möglichst reibungslos funktioniert, sollte man sich über einen Nachsendeauftrag sowie einen Wechsel des Telefon- und Internetanbieters oder Strom- und Gasanbieters bereits im Vorfeld Gedanken machen und alles Erforderliche schon vor dem Umzug in die Wege leiten.“

Mit diesen Tipps und Tricks steht einem erfolgreichen Umzug eigentlich nichts mehr im Wege! Viel Erfolg und besser kein Hals und Beinbruch!

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Anne

Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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Katalin Winkler

Katalin Winkler ist seit 2009 Anwältin mit den Schwerpunkten Vertragsrecht, Haftungsrecht sowie Mietrecht. Sie berät ihre Mandanten am Standort Hamm der Kanzlei Kahlert Padberg Rechtsanwälte Fachanwälte. Dort und an den weiteren Standorten Leipzig und Halle vertreten die Anwälte Unternehmen, Institutionen oder Privatper­sonen.

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