Hannah

Alle Jahre wieder: Tipps für die Weihnachtsfeier

Letzte Woche stand – etwas früher als üblich – die Weihnachtsfeier unserer Abteilung auf dem Kalender. Für mich als Neuling der Abteilung war die erste Weihnachtsfeier etwas ganz Besonderes. Daher stellte ich mir natürlich im Voraus einige Fragen – schließlich möchte man am Abend der Feier nicht wie der Depp vom Dienst dastehen. Doch nicht nur in Bezug auf das richtige Verhalten, auch arbeitsrechtlich gibt es Einiges zu beachten.

Des einen Freud ist des anderen Leid

In unserer Abteilung haben wir schon im Voraus eifrig diskutiert, welche Aktivität am besten ist und wo es das leckerste Steak in Köln gibt. Die Vorfreude ist allerdings nicht überall so groß. In vielen Unternehmen haben die Mitarbeiter keine Lust, ihre Freizeit zu opfern, um Zeit mit ihren Kollegen zu verbringen. Kann der Arbeitgeber die Mitarbeiter in solchen Fällen zwingen, an der Weihnachtsfeier teilzunehmen? „Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, an der Weihnachtsfeier teilzunehmen. Das gilt auch, wenn die Weihnachtsfeier in der normalen Arbeitszeit stattfindet. In diesem Fall muss er jedoch während der Feier regulär arbeiten“, erklärt Benjamin Dahm, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Zwar besteht keine Teilnahmepflicht, aber ein Teilnahmerecht. Denn der Arbeitgeber darf nicht willkürlich einzelne Beschäftigte von der Weihnachtsfeier ausschließen. „Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz verbietet den willkürlichen Ausschluss von einzelnen Personen“, so der Rechtsexperte.

Hoch die Gläser

Wenn der Alkoholpegel steigt, sinkt bekanntlich die Hemmschwelle. Allerdings solltet ihr bei der Weihnachtsfeier vorsichtig sein: Denn sie hat einen dienstlichen Bezug. Daher gelten die gleichen Verhaltensgrundsätze wie im normalen Arbeitsalltag – auch noch nach einigen Gläsern Wein. Benjamin Dahm hierzu: „Für Fehlverhalten kann eine Abmahnung ausgesprochen werden. Im schlimmsten Fall kann sogar die Kündigung drohen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer es dem Arbeitgeber nicht zugemutet werden kann, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen.“ Was kompliziert klingt, meint zum Beispiel grobe Beleidigungen, körperliche Übergriffe oder sexuelle Belästigungen – hierzu zählt übrigens bereits ein vermeintlich harmloser ‚Klaps auf den Po‘.

Auch das Veröffentlichen von Fotos der Weihnachtsfeier sollte gut überlegt sein. Zwar sind Schnappschüsse von den Kollegen schnell gemacht, dennoch dürft ihr diese nicht einfach auf Facebook und Co. veröffentlichen. „Bevor Sie Bilder in den sozialen Medien verbreiten, sollten Sie auf jeden Fall mit Ihren Kollegen sprechen. Im schlimmsten Fall können geschädigte Personen sogar Schadensersatz- und Unterlassungsansprüche geltend machen“, warnt Dahm.

Der Tag danach

In vielen Abteilungen ist es Gang und Gebe, dass nach dem gemeinsamen Essen die Feier noch nicht beendet ist. Denn der richtige Spaß fängt erst an, wenn die gesamte Belegschaft noch gemeinsam um die Häuser zieht. Dabei kann es schon mal passieren, dass der eine oder andere zu tief ins Glas schaut. Doch egal ob Kopfschmerzen, Übelkeit oder Übermüdung: Dies sind keine Gründe, um am nächsten Tag bei der Arbeit zu fehlen. „Fehlt ein Arbeitnehmer wegen ausgiebigen Feierns am Folgetag unentschuldigt, kommt er seiner Pflicht, zur Arbeit zu erscheinen, nicht nach und muss mit einer Abmahnung rechnen“, so Dahm. Es gilt also das altbewährte Motto: Wer feiern kann, der kann auch arbeiten.

Doch auch bereits während der Weihnachtsfeier ist unter Umständen Vorsicht geboten: „Arbeitnehmer, die dienstlich Kraftfahrzeuge oder Maschinen führen, müssen sich im Rahmen einer betrieblichen Weihnachtsfeier so verhalten, dass sie am nächsten Tag problemlos ihre Arbeit erfüllen können“, rät Benjamin Dahm. „Da sie keinen Restalkohol mehr im Blut haben dürfen, ist in puncto Alkoholgenuss hier besondere Vorsicht geboten.“

Ausrutscher auf der Weihnachtsfeier – Ein Arbeitsunfall?

Ob Wichteln, Plätzchenessen oder Karaoke-Singen: Die Ideen für Weihnachtsfeiern sind unendlich. Wir haben uns letztlich dazu entschieden, vor dem Essen noch eine Runde Schlittschuh laufen zu gehen. Das ist natürlich nicht ganz ungefährlich – schließlich kann man gerade als Anfänger schnell stürzen. Doch wer haftet, wenn ich während der Weihnachtsfeier einen Unfall habe? „Während der betrieblichen Weihnachtsfeier gilt der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen. Entscheidend ist, dass der Leiter des Betriebs oder der Abteilung die Feier genehmigt und dass er später als Verantwortlicher an ihr teilnimmt“, so Dahm. Dieser Schutz gilt allerdings nur bis zum offiziellen Schluss der Veranstaltung. Ist kein Ende festgelegt, können die Teilnehmer davon ausgehen, dass die Weihnachtsfeier so lange weitergeht, wie der Verantwortliche anwesend ist. Aber Achtung: Wer so stark betrunken ist, dass er seine kognitiven oder motorischen Fähigkeiten verliert, ist nicht mehr versichert.

Ich hoffe, dass mit diesen Tipps und Tricks einer lustigen Weihnachtsfeier nichts mehr im Weg steht. Unsere Abteilung hatte jedenfalls viel Spaß – zum Glück ohne Verletzte.

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Am liebsten wäre es ihr, wenn das ganze Jahr die Sonne scheinen würde. Da es hierfür leider in Deutschland noch kein Gesetz gibt, treibt sie sich gerne mal auf der anderen Seite der Erde herum.

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ROLAND-Partneranwalt Benjamin Dahm hat sich auf Arbeitsrecht spezialisiert und kennt die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern deshalb ganz genau. In der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die sechs Standorte im Rheinland hat, ist Benjamin Dahm außerdem Ansprechpartner für die Themen Verkehrsrecht und Versicherungsrecht.

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