Anne

Kündigung des Arbeitsvertrags: Rechte und Pflichten

 

Kündigungsschreiben: Immer schriftlich!

Das Wichtigste zuerst: Die Kündigung des Arbeitsvertrags bedarf zwingend der Schriftform! Damit ist gemeint, dass sie von demjenigen, der kündigt, eigenhändig unterschrieben werden muss. Außerdem muss die Kündigung im Original zugehen – eine Kopie oder eine eingescannte Unterschrift genügen nicht.

Für den Arbeitnehmer gilt zudem eine dreiwöchige Klagefrist, die er streng einhalten muss, falls er gegen eine Kündigung vorgehen möchte. Danach ist das in der Regel nicht mehr möglich.

Kündigung Arbeitsvertrag: Kündigungsfristen beachten

Aber wie ist die gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber überhaupt geregelt? Der Rechtsexperte erklärt: „Hier hilft zunächst ein Blick in den Arbeitsvertrag. Ist nichts Besonderes vereinbart, können Arbeitnehmer und Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis innerhalb von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen.“ Ein Muster für ein Kündigungsschreiben für Arbeitnehmer findet ihr zum Beispiel auf karrierebibel.de.

Bei längeren Arbeitsverhältnissen verlängern sich die Kündigungsfristen zugunsten des Arbeitnehmers, und zwar jeweils zum Monatsende:

  • zwei bis fünf Jahre: ein Monat Kündigungsfrist
  • fünf Jahre: zwei Monate Kündigungsfrist
  • acht Jahre: drei Monate Kündigungsfrist
  • zehn Jahre: vier Monate Kündigungsfrist
  • zwölf Jahre: fünf Monate Kündigungsfrist
  • 15 Jahre: sechs Monate Kündigungsfrist
  • 20 Jahre: sieben Monate Kündigungsfrist

Diese Fristen gelten üblicherweise genauso für die Kündigung des Arbeitnehmers. Der Vertrag darf für den Angestellten allerdings nie eine längere Kündigungsfrist vorschreiben als für den Arbeitgeber! Ist eine Probezeit von maximal sechs Monaten vereinbart, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Außerordentliche Kündigung = keine Kündigungsfrist

Immer wieder kündigen Arbeitgeber aber auch außerordentlich, oft ohne Einhaltung der Fristen. Dann müssen wichtige Gründe vorliegen, die die Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist unzumutbar machen – zum Beispiel, wenn der Angestellte gegenüber dem Chef oder den Kollegen handgreiflich oder beleidigend wird oder wenn er beim Krankfeiern erwischt wurde. Normalerweise muss der Arbeitgeber allerdings den Missetäter abmahnen, bevor er ihn rauswirft. Bei schweren Verfehlungen kann der Arbeitgeber aber möglicherweise auf eine Abmahnung verzichten, zum Beispiel wenn ein Angestellter die Stechuhr zu seinen Gunsten manipuliert oder wichtige Interna an die Öffentlichkeit gebracht hat.

Trennung im Einvernehmen: der Aufhebungsvertrag

Ein harter Cut ist aber nicht in jeder Situation die richtige Lösung. Alternativ zu einer Kündigung kommt deshalb auch ein Aufhebungsvertrag infrage. „Der Unterschied zur Kündigung ist, dass dieser im gegenseitigen Einvernehmen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer geschlossen wird“, erläutert der Rechtsanwalt.

Das hat aus Arbeitgebersicht zum Beispiel den Vorteil, dass sich bei betriebs- oder verhaltensbedingten Kündigungen langwierige Kündigungsprozesse vor dem Arbeitsgericht vermeiden lassen. Auf der anderen Seite profitieren zum Beispiel Arbeitnehmer, die schnell eine neue Stelle in einem anderen Unternehmen antreten möchten und denen die normale Kündigungsfrist im Weg stehen würde.

Angestellte, die keinen neuen Job in Aussicht haben, sollten allerdings Vorsicht walten lassen, wenn sie einen Aufhebungsvertrag schließen! Denn es besteht die Gefahr, dass er eine dreimonatige Sperrzeit beim Bezug von Arbeitslosengeld nach sich zieht. Vorher also lieber den Rat eines Arbeitsrechtlers einholen.

Betriebsbedingte Kündigung

Besonders unvorteilhaft für alle Beteiligten: Die betrieblichen Umstände erfordern eine Kündigung. „Laut Kündigungsschutzgesetz dürfen Arbeitgeber nur dann betriebsbedingt kündigen, wenn

  1. der Aufgabenbereich eines Arbeitnehmers dauerhaft wegfällt und
  2. der Betroffene nicht woanders im Unternehmen weiterbeschäftigt werden kann“,

schränkt Benjamin Dahm ein. Voraussetzung dafür, dass das Kündigungsschutzgesetz greift, ist zum einen eine Beschäftigtenzahl von mehr als zehn Arbeitnehmern und zum anderen ein seit mehr als sechs Monaten bestehendes Arbeitsverhältnis.

„Kommen mehrere Mitarbeiter für eine Kündigung infrage, muss der Arbeitgeber außerdem eine Auswahl nach sozialen Kriterien treffen.“ Dabei spielen unter anderem die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Alter, die Unterhaltspflichten und mögliche Schwerbehinderungen eine Rolle. Und: Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass die Gründe offengelegt werden, die zur sozialen Auswahl geführt haben.

Arbeitsunfähigkeit: kein Schutz vor Kündigung

Übrigens: Dass man bei Arbeitsunfähigkeit vor Kündigungen geschützt ist, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Auch wer krank zu Hause im Bett liegt, kann eine Kündigung des Arbeitsvertrags erhalten. Und im Ausnahmefall kann eine Krankheit sogar der Grund dafür sein.

Urlaubsanspruch bei Kündigung

Nun aber angenommen, man kündigt selbst: Was passiert dann eigentlich mit dem Urlaubsanspruch? „Bei Kündigungen bis zum 30. Juni steht dem Arbeitnehmer anteiliger Urlaub zu“, weiß der Rechtsanwalt. „Übrige Urlaubstage kann man sich nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses auszahlen lassen. Im Gegensatz dazu kann der Arbeitgeber kein Geld zurückfordern – zumindest dann nicht, wenn es nur um den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen geht.“

Wer erst ab dem 1. Juli kündigt, hat tatsächlich Anspruch auf den kompletten Jahresurlaub. Die einzige Voraussetzung ist, man war mindestens während der letzten sechs Monate in dem Unternehmen beschäftigt. Doch Vorsicht: Wirklich vorteilhaft ist dieser Deal nur dann, wenn man danach nicht direkt im neuen Job anfängt. Denn jeder Arbeitnehmer hat nur einmal im Jahr Anspruch auf den Jahresurlaub. Der neue Arbeitgeber kann deshalb vom alten eine Information erhalten, wie viel Jahresurlaub bereits genommen oder ausgezahlt wurde. Viele Unternehmen verhängen gegenüber neuen Angestellten aber ohnehin eine bis zu sechsmonatige Urlaubssperre. Von daher kann es sich also lohnen, vorab Urlaub „vollzutanken“. Hier erfahrt ihr übrigens mehr über eure Rechte beim Thema Urlaubsanspruch.

Trennungen sind fast immer kompliziert – auch dann, wenn sie beruflicher Natur sind. Wenn ihr aber eure Rechte und Pflichten kennt, könnt ihr euch sicher sein, im Fall einer Kündigung des Arbeitsvertrags fair aus der Sache raus zu kommen.

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Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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ROLAND-Partneranwalt Benjamin Dahm hat sich auf Arbeitsrecht spezialisiert und kennt die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern deshalb ganz genau. In der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die sechs Standorte im Rheinland hat, ist Benjamin Dahm außerdem Ansprechpartner für die Themen Verkehrsrecht und Versicherungsrecht.

Bisherige Kommentare (6)

  • Avatar

    Miro

    Hallo,
    ich habe folgende Frage. Ich habe mein Kündigungsschreiben an mein Chef weitergegeben durch seine Sekreteriat. Schriftlich auf Papier und mit Unterschrift.
    Seit 15 Monaten arbeite ich in der Firma, und ich bin unbefristet angestelt. Meine Kündigungsfrist ist drei Monaten, und mein Chef macht ein Druck auf mich, dass ich in zwei Monaten raus gehen.
    Kann ich die Kündigung bekommen, nach ich die Kündigung gegeben habe?

    • Nadine

      Nadine

      Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar! Leider dürfen wir Redakteure zu individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du ansonsten gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Juni und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

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    Artur Akulov

    Hallo,
    ich habe folgende Frage. Ich habe mein Kündigungsschreiben an mein Chef weitergegeben durch seine Sekreteriat. Schriftlich auf Papier und mit Unterschrift.
    Er hat mich paar Stunden später ins Besprechungsraum gerufen und gefragt was habe ich damit gedacht?
    Vorher habe ich schon mündlich gesagt das ich kündige will, habe aber damals nichts besptimmtes gesagt wann usw.
    Allerdings war bei diese Besprechung noch zwei Mitarbeiter, die Stimmung war schlecht. Chef hat mit mir gebrüllt. Dann hat er mein Kündigungsschreiben kapitt zerrissen.

    Meine Frage ist jetzt, wie gehe ich weiter, soll ich Kündigungsschreiben neu einreichen?
    Was ist dann mit Kündigungsfrist?
    Kann ich mit vorher geschrieben Datum es einreichen?

    Mit freundlichen Grüßen

    • Hannah

      Hannah

      Hallo Artur, wie es auch in unserem Artikel steht, muss eine Kündigung immer schriftlich und innerhalb der vorgeschriebenen Kündigungsfrist erfolgen. Wie lang deine Kündigungsfrist ist, hängt davon ab, wie lange du bereits im Unternehmen angestellt bist. Wenn dein Arbeitgeber deine Kündigung nicht akzeptieren möchte, solltest du dich am besten an einen Fachanwalt wenden, der dir weiterhelfen kann. Wenn du möchtest, kannst du auch gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats April und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

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    Michaela Seidel Leiske

    Guten Tag
    Ich habe eine Kündigung aus betrieblichen Gründen erhalten die am 15.2 das Arbeitsverhältniss beendet.
    Ich arbeite seit April 2018 dort meine frage ist da ich seit der Kündigung nicht gut dort behandelt werde ob ich am Montag noch dort hin muss

    • Hannah

      Hannah

      Hallo Michaela Seidel Leiske, leider dürfen wir zu solchen individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du aber gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Februar und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Liebe Grüße, Hannah