Nadine

Mutterschutz: Wissenswertes im Überblick

Zwei Striche, die dein Leben verändern: Fällt der Schwangerschaftstest positiv aus, kommen bei den meisten werdenden Mamas riesige Emotionen auf. Neben der Freude auf die bevorstehende Schwangerschaftszeit stellen sich viele Frauen tausend Fragen gleichzeitig. Wie sagen wir es der Familie? Welches Kinderbett ist wohl das Beste? Und wie vereinbare ich die Familie mit dem Job? Um zumindest ein paar der vielen Fragen zu beantworten, habe ich mich mit Dr. Elena Albrecht zu dem Thema „Mutterschutz“ zusammengesetzt. Die Personalreferentin berät bei ROLAND angehende Mütter bei ihren Fragen rund um Mutterschutzgesetz, Beschäftigungsverbot und Mutterschaftsgeld.

Mutterschutz und Mutterschutzgesetz: Was heißt das?

Zunächst einmal: Mutterschutz und Elternzeit sind zwei verschiedene Dinge, die man nicht verwechseln sollte.

Ziel des Mutterschutzrechts ist laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „den bestmöglichen Gesundheitsschutz für schwangere und stillende Frauen zu gewährleisten. Es soll nicht dazu kommen, dass Frauen durch Schwangerschaft und Stillzeit Nachteile im Berufsleben erleiden oder dass die selbstbestimmte Entscheidung einer Frau über ihre Erwerbstätigkeit verletzt wird. Damit werden die Chancen der Frauen verbessert und ihre Rechte gestärkt, dem Beruf während Schwangerschaft und Stillzeit ohne Beeinträchtigung ihrer Gesundheit und der ihres Kindes weiter nachzugehen.“

Mutterschutz und Beschäftigungsverbot: Wie lange?

Der Mutterschutz ist für alle Mütter in einem Beschäftigungsverhältnis, in der Ausbildung und im Studium im Mutterschutzgesetz (MuSchG) gesetzlich vorgeschrieben. In dieser Zeit gilt für die Mutter Beschäftigungsverbot! Schon allein wegen deiner Gesundheit und der deines Kindes solltest du also auf keinen Fall arbeiten gehen:
Dr. Elena Albrecht: „Der Mutterschutz beginnt für die erwerbstätige Mutter sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen danach. Die Ausnahme bilden Frühgeburten und Mehrlingsgeburten sowie Geburten von Babys mit Behinderung: In diesen Fällen verlängert sich die Frist auf zwölf Wochen nach der Geburt.“
Merke: Bei Frühgeburten muss der Arzt eine Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellen, um die Schutzfrist verlängern zu können.

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Mutterschaftsgeld: Wie viel?

Wer als „normaler“ Arbeitnehmer längere Zeit ausfällt, hat in der Regel nur bis zu sechs Wochen Anspruch auf eine 100-prozentige Entgeltfortzahlung. „Bei einer Schwangerschaft sieht es glücklicherweise anders aus: Der Gesetzgeber sorgt dafür, dass die frischgebackene Mutter in finanzieller Hinsicht keine Nachteile während der Schwangerschaft und des Mutterschutzes hat. Deshalb zahlt die Krankenversicherung einen Teil des Lohnes (zum Beispiel bei gesetzlichen Krankenversicherungen max. 13 Euro/Tag). Den Rest zahlt der Arbeitgeber, so dass die Mutter in der Regel weiterhin das durchschnittliche Einkommen der letzten drei Monate erhält“, sagt Personalreferentin Dr. Elena Albrecht. Bei privaten Krankenversicherungen kann die Zahlungshöhe abweichen. Am besten fragst du als werdende Mutter bei deiner Krankenkasse einmal nach, wie viel Anspruch du auf Mutterschaftsgeld bei deiner gesetzlichen oder privaten Krankenkasse hast.

Um das Mutterschaftsgeld bei deiner gesetzlichen Krankenversicherung zu beantragen, brauchst du eine Bescheinigung deines Arztes. Die stellt er dir ab der 33. Schwangerschaftswoche aus.

So kannst du die Zeit in der Schwangerschaft sinnvoll nutzen: Anträge und Co.

Natürlich solltest du dich in der Zeit vor der Entbindung in erster Linie schonen – keine Frage! Dennoch gibt es ein paar Dinge, die du während dieser aufregenden Zeit schon erledigen kannst. Zum Beispiel solltest du dir Gedanken darüber machen, ob du nach deiner Schutz-Zeit wieder arbeiten gehen willst oder ob du Elternzeit beantragst. Und wenn du in Elternzeit gehen willst, wie lange?

Die Elternzeit (EZ) beginnt laut Mutterschutzgesetz mit dem tatsächlichen Geburtstermin deines Kindes. Die EZ überlagert sich also mit dem gesetzlichen Mutterschutz. Den schriftlichen Antrag auf Elternzeit musst du spätestens sieben Tage nach der Geburt, also sieben Wochen bevor dein Mutterschutz endet, bei deinem Arbeitgeber stellen.

Deshalb bereitest du den schriftlichen Antrag am besten schon vor der Geburt vor und bewahrst ihn irgendwo auf, wo du oder dein Partner ihn jederzeit wiederfindet. Denn bedenke, dass plötzlich eine Frühgeburt in Betracht kommen könnte. Dann brauchst du nach der Entbindung nur noch das tatsächliche Geburtsdatum eintragen und den Antrag bei deinem Arbeitgeber abgeben. Oder noch besser: Der frischgebackene Vater erledigt das für dich. So bist du bestens vorbereitet, wenn dein Baby auf der Welt ist und kannst dich ausschließlich darum kümmern.

Dr. Elena Albrecht weiß aus Erfahrung, dass werdende Mütter meist schon vor Beginn der Mutterschutzfrist wissen, ob und wie lange sie in Elternzeit gehen möchten oder können. „Dann ist es für beide Seiten einfacher, wenn man das Gespräch schon mit dem Chef oder der Personalabteilung sucht bevor der Mutterschutz beginnt.“ So kann sich dein Arbeitgeber auf deine Abwesenheit vorbereiten und ggf. eine Elternzeit-Vertretung einstellen.

Übrigens:

Das Elterngeld wird mit dem Mutterschaftsgeld in den ersten acht Wochen verrechnet. Das heißt, du bekommst im Anschluss an das Mutterschaftsgeld maximal noch zehn Monate Elterngeld, wenn du dich für das Basiselterngeld über zwölf Monate entschieden hast. Summa summarum bist du also ein Jahr lang finanziell gut versorgt.

Wer hat Anspruch?

Grundsätzlich hat jede werdende bzw. stillende Mutter Anspruch. Seit dem 1. Januar 2018 gilt eine Reform des Mutterschutzgesetzes, nach der einige Neuerungen in Kraft getreten sind:

  • Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) greift nun auch für Studentinnen, Schülerinnen und Praktikantinnen. Um zum Beispiel eine Prüfung ablegen zu können, kann die werdende Mutter eine Ausnahme beantragen.
  • Schwangere oder stillende Mütter dürfen das Arbeitsverbot, nach 20 Uhr oder am Wochenende zu arbeiten, auf Wunsch aufheben.
  • Für Mütter, die ein Kind mit Behinderung zur Welt bringen, verlängert sich laut dem neuen Gesetz der Mutterschutz um vier Wochen.
  • Frauen haben nun auch nach einer Fehlgeburt Kündigungsschutz.

Mehr Informationen dazu findest du hier: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/gesetze/mutterschutzgesetz/73762 

Was ist, wenn das Kind früher kommt als berechnet? Ab wann gilt die Geburt als Frühgeburt?

Nicht selten kommt es vor, dass Babys früher zur Welt kommen als geplant. Den Geburtstermin kann natürlich auch ein Arzt nicht auf den Tag genau vorhersagen – zumindest, wenn das Kind auf natürliche Weise geboren werden soll. Aber keine Sorge! Der Mutterschutz verlängert sich, wenn dein Baby den Geburtstermin nicht einhält: „Kommt ein Kind früher als vorher vom Arzt berechnet zur Welt, verlängert sich der Schutz um die Tage, die das Neugeborene zu früh da ist“, so Elena Albrecht. Kommt dein Baby zum Beispiel zwei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin, bekommst du zusätzlich zu den acht Wochen, die du ohnehin nach der Geburt Schutz hast, noch 14 Tage dazu.

Aber Vorsicht: Ob ein Baby wenige Tage oder Wochen zu früh kommt oder ein sogenanntes Frühchen ist, macht einen Unterschied für die Mutterschutzfrist. Denn bei einer Frühgeburt (dein Baby kommt mindestens drei Wochen vor errechnetem Geburtstermin) verlängert sich der Mutterschutz pauschal auf zwölf Wochen. „In diesem Fall braucht der Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung. Nur so kann der Schutz verlängert werden“, weiß Elena Albrecht als Personalreferentin. Kommt dein Kind also beispielsweise vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, hast du nach der Geburt noch 16 Wochen Mutterschutz – zwölf Wochen da du ein Frühchen hast plus die vier, die dein Kind zu früh gekommen ist.

Kündigungsschutz für Schwangere

Als Schwangere erhältst du laut Mutterschutzgesetz einen besonderen Kündigungsschutz. Demnach darfst du von deinem Arbeitgeber nur in Ausnahmefällen gekündigt werden – das gilt übrigens auch bis zu zwei Wochen rückwirkend! Wenn du also zum Beispiel vor vierzehn Tagen eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses erhalten hast, aber jetzt erst festgestellt hast, dass du schwanger bist, kannst du mit der ärztlichen Bescheinigung die Kündigung als ungültig erklären lassen. Ist die Weiterbeschäftigung allerdings für beide Seiten nicht mehr länger tragbar, kann man hier einen sogenannten Aufhebungsvertrag aushandeln.

Der Kündigungsschutz gilt laut Gesetz auch bei Fehlgeburten, die nach der zwölften Schwangerschaftswoche auftreten. So haben Mütter, die ihr Kind nach dem dritten Monat verlieren, vier Monate besonderen Kündigungsschutz.

Das solltest du als Schwangere sonst noch wissen:

  • Lebenslauf: Du fragst dich vielleicht, ob du den Mutterschutz in deinem Lebenslauf angeben musst – zum Beispiel, weil du dich nach deiner Elternzeit bei einem neuen Arbeitgeber bewerben möchtest. Dr. Elena Albrecht sagt dazu: „Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Mutterschutz- oder Elternzeit im Lebenslauf anzugeben. Schließlich besteht dein Arbeitsvertrag ja auch in dieser Zeit.“ Allerdings ist es dem potenziellen Arbeitgeber gegenüber natürlich unfair, wenn man fünf Jahre Berufserfahrung angibt, davon aber schon drei Jahre in Elternzeit war. Elena Albrecht rät deshalb: „Am besten gibt man im Lebenslauf an, in welchem Zeitraum man in Mutterschutz/Elternzeit war, zum Beispiel so: 08/2014 – 03/2018, davon 15 Monate in Elternzeit.“
  • Steuerklasse: Durch die Geburt deines Kindes allein ändert sich auch nichts an deiner Steuerklasse als Mutter. Allerdings kann es sich finanziell oft lohnen, die Steuerklasse zu wechseln – je nach Verdienst während der Elternzeit. Ob sich das für dich und deinen Partner lohnt, kann euch ein fachkundiger Steuerberater berechnen.
  • Krankenversicherung: An den Leistungen deiner gesetzlichen Krankenversicherung ändert sich auch während deiner Schwangerschaft oder deiner Stillzeit nichts. Deine Krankenversicherung bleibt also wie gehabt.

Ich hoffe, ich konnte dir schon einige deiner Fragen beantworten und ein paar Ängste nehmen. Wichtig ist, dass du dich frühzeitig um alle Anträge kümmerst. So kommst du in der Zeit rund um die Entbindung nicht in Stress und kannst deine Schwangerschaft in vollen Zügen genießen!

Unsere Expertin:

Dr. Elena Albrecht ist seit elf Jahren Personalreferentin bei ROLAND Rechtsschutz. Sie ist unter anderem verantwortlich für die Themen Personalbeschaffung und -betreuung. Hierzu zählt auch die Sichtung und Bewertung der eingehenden Bewerbungsunterlagen. Zudem verfasst sie die Zeugnisse für die ROLAND-Mitarbeiter.

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Als Liebhaberin von Paprikachips würde Nadine gern den Konsum des suchtgefährdenden Kartoffelprodukts per Gesetz finanziell unterstützen. Dafür reicht ihr von ihren Mitmenschen dann auch ein ganz einfaches „Dankeschön!“. Und weil sie so gerne zur Arbeit fährt, würde sie sich am liebsten per Superkraft schnell zu ihren Kollegen beamen.

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