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Steuererklärung: die wichtigsten Fragen

Und, gehört ihr eher zu denen, die ihre Einkommenssteuererklärung möglichst früh im Jahr machen? Oder wartet ihr bis auf den letzten Drücker? Ich bin auf jeden Fall jedes Jahr froh, wenn das Ding beim Finanzamt liegt und hoffentlich eine schöne Rückzahlung folgt. Zusammen mit Kai Solmecke beantworte ich euch im Folgenden die wichtigsten Fragen rund um die Steuererklärung:

Muss ich meine Steuererklärung immer bis zum 31. Mai beim Finanzamt abgeben?

Ab diesem Jahr gilt eine neue Abgabefrist: Nun muss die Steuererklärung erst bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt sein. Die neuen Regelungen sind bei der diesjährigen Steuererklärung erstmals anzuwenden, also für Besteuerungszeiträume, die nach dem 31. Dezember 2017 beginnen. „Der Steuerzahler hat für die Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 also bis zum 31. Juli 2019 Zeit“, erklärt Kai Solmecke. Wenn ihr einen Steuerberater mit der eigenen Steuererklärung beauftragt, bekommt ihr zukünftig sogar Zeit bis zum 28. Februar – und in Schaltjahren wie 2020 bis zum 29. Februar. Mehr zu den Änderungen 2018 auch in diesem Blogbeitrag.

Wenn ihr eure Steuererklärung freiwillig abgebt, habt ihr sogar noch länger Zeit – vier Jahre um genau zu sein.

Hier einmal alle Abgabefristen in einer Tabelle:

Abgabefristen für die Steuererklärung

Wenn ihr eure Steuererklärung …… freiwillig abgebt… abgeben müsst
ohne Steuerberatermit Steuerberater
Für das Steuerjahr 20151.12.2019
31.05.201631.12.2016
Für das Steuerjahr 20161.12.2020
31.05.201731.12.2017
Für das Steuerjahr 20171.12.2021
31.05.201831.12.2018
Für das Steuerjahr 2018 1.12.2022
31.07.201929.02.2020
Für das Steuerjahr 2019 1.12.2023
31.07.202029.02.2021

 

Müssen auch Rentner und Studenten eine Steuererklärung abgeben?

„Bei Studenten kommt es darauf an, ob sie Geld verdienen und wenn ja, wie viel“, sagt Kai Solmecke. Wenn sie als Aushilfen beschäftigt sind, brauchen Studenten nichts einzureichen. Das erledigt dann der Arbeitgeber. „Eine Steuererklärung ist immer dann vorzulegen, wenn das gesamte zu versteuernde Einkommen den Grundfreibetrag übersteigt.“ Wer also beispielsweise als Musiker ertragreiche Auftritte hat, wird steuerpflichtig, wenn der Verdienst 8.820 Euro im Jahr übersteigt. Bei Ehepaaren beträgt der Maximalverdienst insgesamt 17.640 Euro bis sie die Steuerpflicht erreichen. Für das Jahr 2016 sind dies noch für Single 8.652 Euro und für Eheleute 17.304 Euro.

Rentner waren lange Zeit im Wesentlichen von der Steuer befreit. „Seit dem Jahr 2005 ist es so, dass sie 50 Prozent der Bezüge aus der gesetzlichen Rente versteuern müssen. Bei Neurentnern sind es sogar 66 Prozent. Erst wenn die jeweilige Grenze überschritten ist, müssen Rentner eine Einkommenssteuererklärung einreichen“, erläutert Kai Solmecke. Übersteigen die monatlichen Bezüge 1.000 Euro, ist eine Steuererklärung unabdingbar.

Lassen sich Kosten für Handwerker, Haushaltshilfe und Kindermädchen immer absetzen?

Handwerkerrechnungen können bis zu einer Summe von 1.200 Euro jährlich berücksichtigt werden. „Hier können aber nur die Lohnanteile in den Rechnungen, nicht die Materialkosten abgesetzt werden“, betont Rechtsanwalt Solmecke. Bei Haushaltshilfen gilt zunächst, dass der Minijob angemeldet sein muss. Dann sind 20 Prozent der jährlichen Kosten für die Haushaltshilfe bis zu einer Höchstgrenze von 510 Euro absetzbar. Bei der Kinderbetreuung sieht es etwas besser aus: „Zwei Drittel der Kosten, höchstens 4.000 Euro pro Jahr, können berücksichtigt werden, und zwar auch dann, wenn ein Elternteil zu Hause bleibt.“

Ist die Steuererklärung jedes Jahr Pflicht, wenn ich sie einmal abgegeben habe?

Gibt man freiwillig eine Steuererklärung ab, weil man zum Beispiel durch die Anrechnung größerer Aufwendungen bei einem Anstellungsverhältnis mit einer Steuererstattung rechnet, entsteht daraus keine Pflicht, die Steuererklärung jedes Jahr einzureichen. „Es kommt vielmehr darauf an, ob eine gesetzliche Verpflichtung besteht, zum Beispiel beim Vorliegen gewerblicher Einkünfte“, erläutert Kai Solmecke. Heißt: Fordert euch das Finanzamt zur Abgabe auf, müsst ihr dieser Forderung nachkommen.

Haftet der Anbieter, wenn die Steuererklärung trotz Steuersoftware fehlerhaft ist?

Nein! „Für den Schaden, der durch einen Programmfehler oder Eingabefehler entsteht, haftet gegenüber dem Finanzamt allein der Steuerpflichtige“, so Kai Solmecke. Der von der Steuersoftware errechnete Betrag gibt euch einen ersten, in den meisten Fällen sehr konkreten Hinweis auf die Rückzahlung. Ausschlaggebend ist jedoch der Betrag, den das Finanzamt berechnet. Für den Fall, dass ihr zu viele Steuern gezahlt habt, berichtigt das Finanzamt den Betrag in einem begrenzten Zeitraum. „Dann hat man allenfalls einen Zinsschaden.“ Liegt keine grobe Fahrlässigkeit des Verkäufers der Software vor, könnt ihr meistens keine Schadenersatzansprüche geltend machen, da die Hersteller die Haftung oftmals ausschließen. Im Zweifelsfall beauftragt lieber einen Experten. Kai Solmecke: „Wer sich nicht auskennt, sollte nicht auf eine Software, sondern auf einen Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht vertrauen.“

Kann ich ein Arbeitszimmer absetzen?

Wenn ihr euer Arbeitszimmer absetzen möchtet, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Hier unterscheidet man in drei Kategorien:

  1. Ist das Arbeitszimmer Mittelpunkt eurer gesamten beruflichen Beschäftigung, könnt ihr die vollständigen Aufwendungen – also Arbeitsmaterialien, Büromöbel, Computer etc. – unbegrenzt absetzen. Das gilt zum Beispiel für Selbstständige, die komplett von zuhause arbeiten. Oder wenn die Firma keinen zumutbaren Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.
  2. Anders sieht es zum Beispiel bei Lehrern oder Außendienstmitarbeitern aus. Bei diesen steht in der Regel für die im Arbeitszimmer ausgeübte berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung – die Arbeit wird aber teilweise woanders ausgeübt, zum Beispiel in der Schule. Trifft dies auf euch zu, könnt ihr bis zu 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten für das Arbeitszimmer absetzen.
  3. In allen weiteren Fällen zum Beispiel bei gemischter beruflicher und privater Nutzung oder auch dann, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist kein Abzug möglich.

Übrigens: Sollte das Finanzamt euer Arbeitszimmer nicht anerkennen, könnt ihr immer noch Büromaterialien oder einen Computer als Werbungskosten absetzen.

Sollte die Steuererklärung trotz dieser Tipps für euch immer noch ein Buch mit sieben Siegeln sein, ist wohl der beste Tipp, den wir geben können: Lasst einen Profi ran. Das kann ein Steuerberater sein, es gibt aber auch Lohnsteuerhilfevereine. Hier zahlt ihr einen geringen Jahresbeitrag, der sich an eurem Gehalt orientiert, und Experten übernehmen dann für euch die Steuererklärung und beraten euch zu Steuerthemen. Wie ihr es auch macht: Viel Erfolg dabei!

 

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Anne

Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

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Bisherige Kommentare (2)

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    Meyer

    Hallo,

    ich möchte meine Eltern gerne im Alltag ein klein wenig unterstüzen, sie wohnen nebenan. Nun möchten Sie, dass ich regelmäßig mittags Koche, spüle etc. so 1-2 Std am Tag für 5-6X die Woche und mir dafür ungefähr 450-500,00€ monatlich überweisen wollen. Sie kommen selber finanziell gut klar und möchten mir auf diesem Wege auch gerne unter die Arme greifen.
    Doch ich beziehe selbst eine Erwerbsminderungsrente und habe eine Pflegestufe.
    Daher bin ich sehr unsicher ob ich Beides riskiere wenn ich versuche dem nachzukommen. Für mich wäre das bei meiner kleinen Rente ein Vermögen.

    Muss ich einen Arbeitsvertrag aufsetzen und meine Einnahme bei den Behörden melden und ist da nicht meine eigene Pflegestufe (2) in Gefahr?
    Für meine Eltern wäre das eine große Hilfe und auch für mich wäre das die einzige Möglichkeit etwas mehr Geld zu haben, da ich nie genau weiß wie es mir am nächsten Tag geht.
    Dürfen wir das so überhaupt, auch steuerrechtlich?
    Was gilt es zu beachten.
    Momentan helfe ich natürlich auch so, bitte nicht falsch verstehen, es geht hier um ein geregeltes Einkommen für mich. Das wäre perfekt!
    Vielen Dank!

    Mit freundlichem Gruß
    Meyer

    • Anne

      Anne

      Hallo, leider dürfen wir Redakteure dir keine Rechtsberatung geben. Du hast allerdings die Möglichkeit, deine Frage beim “Rechtsfall des Monats” einzureichen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird dein Fall gezogen und von einem unserer Partneranwälte kostenfrei beantwortet. Viel Erfolg und alles Gute!

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