Marcus Creutz

Verlag muss für geschmacklosen Klickköder Schadensersatz zahlen

Eine Programmzeitschrift muss einem bekannten Fernsehmoderator 20.000 Euro bezahlen, weil sie unerlaubt sein Bild als Klickköder verwendet hat. Dies hat das Oberlandesgericht Köln entschieden.

Der Fall:

Die Zeitschrift hatte auf ihrem Facebook-Profil vier Bilder von Prominenten veröffentlicht, verbunden mit dem Text: „Einer dieser TV-Moderatoren muss sich wegen KREBSERKRANKUNG zurückziehen”. Durch Anklicken der Meldung wurden die Leser auf die Internetseite der Zeitschrift weitergeleitet, wo wahrheitsgemäß über die Erkrankung eines der abgebildeten Moderatoren berichtet wurde. Informationen über den unstreitig hiervon nicht betroffenen Kläger fanden sich dort nicht. Nach öffentlicher Kritik löschte die Redaktion den Text nach kurzer Zeit.

Das Urteil:

Die zu zahlende Summe von 20.000 Euro durch den Verlag begründeten die Richter aus der Domstadt damit, dass das Bild des Moderators unzulässig kommerziell genutzt worden sei (Az.: 15 U 160/18). Mit der Veröffentlichung sei keinerlei Informationswert verbunden gewesen. Die haltlosen Spekulationen über eine mögliche Krebserkrankung hätten an der Grenze zu einer bewussten Falschmeldung gelegen.

Insgesamt handele es sich um ein Beispiel für einen so genannten Klickköder (“clickbaiting”), bei dem die reißerische Überschrift in Verbindung mit Bildern Prominenter bei den Lesern eine Neugierlücke öffne. Die Nachricht gebe einerseits genug Informationen aus einem emotionsbehafteten Bereich, um die Leser neugierig zu machen. Andererseits gebe sie als bloßer Informationsschnipsel nicht genug Informationen, um diese Neugier vollends zu befriedigen. Um die Leser gezielt zum Weiterklicken zu animieren, sei bewusst in Kauf genommen worden, dass die verlinkte Meldung im Zielartikel keinerlei Bezug zu drei der vier Abgebildeten gehabt habe. Vielmehr sei die Beliebtheit der Abgebildeten gezielt zu dem Zweck ausgenutzt worden, um möglichst viel Traffic auf die eigene Internetseite umleiten zu können, den eigenen Internetauftritt bekannter zu machen und durch die so erzeugten Klicks dort Werbemehreinnahmen zu erzielen.