Julia

Erst Marderbiss, dann Mörtelbombe

Als sein amerikanischer Pick-up morgens nicht mehr ansprang und er selbst keine Ursache dafür fand, rief Norbert W. bei seiner Autowerkstatt an, um den Wagen dorthin abschleppen zu lassen.

Der Abschleppwagen kam prompt und verfrachtete den Pick-up auf das Werkstattgelände, das an einer Stelle stark abschüssig ist. Dann passierte das Unglück: Beim Rangieren brach die Abschleppstange und der schwere Pick-up setzte sich von selbst in Bewegung. Er rollte immer schneller das Gefälle bergab, bis er von der Hauswand des Nachbargebäudes gestoppt wurde. Als wäre das nicht schon schlimm genug, kam es noch dicker: An der Hauswand befand sich ein Baugerüst, in das der Pick-up hineinrollte. Zwar blieb das Gerüst stehen, doch fiel durch die Kollision ein Eimer mit ausgehärtetem Mörtel auf den Wagen. Diese „Mörtelbombe“ durchbrach das Glasschiebedach des Pick-ups und landete auf der Mittelkonsole, die völlig demoliert wurde.

Die “Mörtelbombe“ durchbrach das Glasschiebedach des Pick-ups.

Norbert W. verlangte von seiner Werkstatt, den Schaden vollständig und kostenlos zu beseitigen. Der Werkstattleiter erklärte sich allerdings nur bereit, die Kollisionsschäden an der Stoßstange kostenfrei zu beheben. Bezüglich des zerstörten Glasschiebedachs und der Mittelkonsole verwies er Norbert W. an die Baufirma, die das Gerüst aufgestellt hatte. Der Schaden sei schließlich durch eine Verletzung der Verkehrssicherungspflichten der Baufirma entstanden, so das Argument.

So wandte sich Norbert W. an die Baufirma. Wie zu erwarten war, lehnte auch diese jegliche Schadenersatzleistung ab und betonte, dass die Werkstatt die Kausalkette bis hin zum Schaden in Gang gesetzt habe.

In seiner Verzweiflung rief er bei seiner Rechtsschutz-Versicherung an und wurde mit einem Rechtsanwaltsmediator verbunden. Dieser überzeugte in mehreren Telefonaten die Werkstatt davon, den Pick-up vollständig und kostenlos zu reparieren und im Nachhinein selbst zu versuchen, eine Kostenbeteiligung durch die Baufirma zu erwirken.

Für Norbert W. gab es jedenfalls doch noch ein Happy End – vor allem, weil die eigentliche Ursache für den Werkstattbesuch gefunden und beseitigt werden konnte: ein Marderschaden!

 

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