Julia

Lenkrad, wechsel’ dich …

Jens W. aus Hessen war in der Corona-Zeit auf der Suche nach einem kleinen, robusten, geländegängigen Neuwagen. Daher freute er sich riesig, als er auf einer bekannten Internetplattform für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge bei einem Suzuki-Händler in Norddeutschland einen sofort lieferbaren neuen Suzuki Jimny Automatik entdeckte – ein Modell, das aufgrund seiner großen Beliebtheit zurzeit eine extrem lange Lieferzeit hat. Daher störte es ihn auch nicht, dass es sich laut Annonce um eine Tageszulassung und eine „EU-Ausführung“ handelte. Gerade die Bezeichnung der Ausführung irritierte ihn schon deshalb nicht, weil die Fahrzeug-Ausstattungen inzwischen EU-weit absolut vergleichbar sind.

Wegen des Lockdowns und der Reisebeschränkungen war eine Besichtigung des Fahrzeugs vor Ort nicht möglich, der Autohändler bot stattdessen eine Online-Abwicklung des Kaufs und eine Lieferung des Fahrzeugs bis zur Haustür des Kunden an. Bereits vier Tage nach der Überweisung des Kaufpreises wurde dem Kunden das Fahrzeug ausgeliefert.

Als Jens W. den Jimny in Empfang nahm, erlebte er eine böse Überraschung: Äußerlich wirkte der Wagen einwandfrei, aber als er einstieg, musste er zu seinem Entsetzen feststellen, dass sich das Lenkrad auf der „falschen“, nämlich der rechten Seite des Armaturenbretts befand. Es handelte sich offensichtlich um eine Ausführung, wie sie in Ländern wie England, Irland oder Japan üblich ist.

Der Auslieferungsfahrer wies jede Verantwortung von sich, da er nur als Dienstleister für den Autohändler tätig sei. Er bot aber an, das Fahrzeug wieder mitzunehmen. Das wollte Jens W. aber auch nicht, denn dann wären Geld und Auto weg gewesen.

Spiegelverkehrte Fotos oder seitenverkehrtes Auto?
Er rief natürlich sofort bei dem Suzuki-Händler an, da er zu diesem Zeitpunkt noch von einem Versehen ausging. Der Autohändler verwies jedoch auf die Annonce mit der Formulierung „EU-Ausführung“ und darauf, dass in der Anzeige Fotos von dem Innenraum des Fahrzeugs abgebildet waren, aus denen man unschwer habe erkennen können, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen Rechtslenker handelte. Der getäuschte Käufer hatte die Bilder zwar gesehen, jedoch geglaubt, dass die Fotos spiegelverkehrt ins Netz gestellt worden seien. Er hatte nicht im Traum daran gedacht, dass der deutsche Händler Fahrzeuge mit Rechtslenker verkaufen würde. Letztlich verweigerte der Händler am Telefon sowohl eine Rückabwicklung des Kaufvertrags als auch jegliche Form der Preisminderung.

In seiner Verzweiflung rief Jens W. die ROLAND-Hotline an. Von dort wurde er mit einem Rechtsanwaltsmediator verbunden. Dieser schaffte es in wechselseitig geführten Telefonaten, einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Parteien auszuhandeln: Der Händler erwartet für August 2020 die Lieferung eines nagelneuen Jimnys mit dem hierzulande üblichen Linkslenker. Diesen würde er dann kostenfrei tauschen, soweit Jens W. bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 5.000 km mit seinem Fahrzeug zurücklege.

Diese Regelung ist für den ROLAND-Kunden absolut in Ordnung: Zum einen wird das Handling mit dem Rechtslenker dank des Automatikgetriebes deutlich erleichtert, zum anderen besteht aufgrund des Corona-Home-Offices und der Reisebeschränkungen keine Gefahr, dass Jens W. über den Sommer mehr als 5.000 Kilometer mit seinem Jimny zurücklegt…

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Auch wenn Julia mal wieder von Dingen der Unmöglichkeit träumt, hält sie im Büro das Gleichgewicht. Grund dafür ist vermutlich ihre äußerst ausgewogene Ernährung, für die ihre Kollegen sorgen.

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