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Biergarten-Saison: Deine Rechte als Gast

Bei dem schönen Wetter strömen wieder viele von uns in die Biergärten der Brauereien und Restaurants, um gesellig ein kühles Bier oder ein gutes Essen unter freiem Himmel zu genießen. Damit der Besuch im Biergarten ein gelungenes Erlebnis bleibt, klärt Rechtsanwalt Henning Meyersrenken von der Kanzlei Meyersrenken & Rheingantz auf, was es zu beachten gilt.

Sitte am Biertisch: Wer zahlt die Zeche, wenn alle aufstehen und gehen?

Im Biergarten rutscht man gerne zusammen und teilt sich mitunter miit Fremden einen Platz am Biertisch. Doch was passiert, wenn die Fremden einfach aufstehen und gehen? „Grundsätzlich haftet jeder für seinen eigenen Verzehr“, so Rechtsanwalt Meyersrenken. „Auch wenn mehrere Gäste an einem Tisch sitzen, sollte jeder seine eigene Rechnung erhalten. Es muss niemand die Rechnung eines Zechprellers übernehmen.“ Sollte dir nach Speis und Trank auffallen, dass du dein Portmonee vergessen oder zu wenig Geld dabei hast, um die Rechnung zu begleichen, gibt es eine einfache Lösung: Der Kellner notiert deine Personalien und sendet die Rechnung schriftlich zu. Wer jedoch weiß, dass er kein Geld dabei hat und dennoch etwas bestellt und verzehrt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Bierdeckel als Beweismittel: Welche Folgen haben Manipulationen?

Bierdeckel dienen nicht nur zum Auffangen des überlaufenden Bierschaums, sondern oftmals auch als Grundlage, um die verzehrten Getränke und Speisen zu notieren. Am bekanntesten sind die Merkstriche, die die Anzahl der getrunkenen Biere darstellen. Wird der Bierdeckel verändert oder manipuliert, kann es schnell zu Schwierigkeiten kommen. „Der Bierdeckel gilt in dem Moment, in dem der Kellner die bestellten Getränke darauf verzeichnet, als Urkunde. Werden Striche zum Beispiel absichtlich wegradiert, beschädigt man die Urkunde und macht sich dadurch strafbar“, erklärt der ROLAND-Partneranwalt. „Das Manipulieren eines Bierdeckels zum Nachteil des Gastwirtes ist weder ein Spaß noch ein Kavaliersdelikt“.

Ausschank unter Eichstrich: Wie voll muss das Bierglas sein?

Der Eichstrich beim Bierglas hat hierzulande schon für einige Diskussionen gesorgt. Klar ist, dass du Getränke unterm Eichstrich nicht akzeptieren musst. „Wer einen Liter Bier kauft, muss auch einen Liter Bier erhalten“, betont Henning Meyersrenken. „Mit weniger muss sich der Gast nicht zufrieden geben.“ Hier gilt die Regel, dass sich das Bier nach einer Minute gesetzt und dann die Markierung erreicht haben muss. Fällt der Schaum zusammen und das Bier liegt nun unterhalb des Eichstrichs, darf sich jeder Gast nachschenken lassen.

Wartezeiten: Wie lange muss ein Gast auf Getränke und Essen warten?

Hunger und Durst sind häufig groß, wenn der Biergarten erreicht ist. Doch wenn es voll ist, kann es auch schon mal etwas länger dauern. „Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften zu den Wartezeiten in einem Biergarten, Wirtshaus oder in einem Restaurant“, erläutert Rechtsanwalt Meyersrenken. In der Regel muss man bei einem gut besuchten Biergarten schon mit 15 bis 30 Minuten rechnen, bevor das erste Getränk auf dem Biertisch steht. Wem alles zu lange dauert, der kann nach etwa 30 Minuten durchaus aufstehen und gehen. Du musst aber zuvor dem Kellner Bescheid geben und von der Getränkebestellung zurücktreten. Lies mehr: Unzufrieden im Restaurant? Das sind deine Rechte!

Mit dem Rad in den Biergarten: Nach wie viel Bier aufs Taxi umsteigen?

Der Höhepunkt einer schönen Radtour ist für viele bekanntlich der Ausklang im Biergarten. Doch nach dem Konsum von Alkohol birgt die Rückfahrt mit dem Rad einige Risiken. „Sobald die geringste Gefahr besteht, dass man sein Rad nicht mehr vernünftig fahren kann, sollte man zu Fuß gehen oder aufs Taxi umsteigen“, so der Rechtsexperte. Was viele nicht wissen: Bei einem Unfall unter Bewusstseinsstörung gefährdet man nicht nur sich und andere, sondern auch den Versicherungsschutz seiner privaten Unfallversicherung oder seiner Berufsunfähigkeitsversicherung oder kann diesen sogar komplett verlieren. Ab einem Promillewert von 1,5 bis 1,7 gilt man übrigens als absolut fahruntüchtig. Dies kann mit einem Fahrradfahrverbot und bei Personen mit Führerschein sogar mit einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung – auch bekannt als „Idiotentest“ – geahndet werden. Fährt der alkoholisierte Radfahrer in absolut fahruntüchtigem Zustand und gefährdet dadurch andere, führt das sogar zu strafrechtlichen Konsequenzen wie zum Beispiel einer Geldstrafe und seinen Führerschein – sollte er einen solchen haben – ist er dann auch erst einmal los.

Übrigens: Weißt du, wie Biergärten entstanden sind? Im 19. Jahrhundert brauten viele bayerische Brauereien untergäriges Bier im Winter, da die Gärung kühle Temperaturen benötigte. Im Sommer lagerte das Bier dann in tiefen Kellern. Um dieses weiter zu kühlen, pflanzten die Brauereien darüber Kastanien. Irgendwann begannen sie, auf diesen Plätzen Bänke aufzustellen und Bier auszuschenken. Allerdings durften zunächst keine Speisen gereicht werden. Daher ist es in vielen Biergärten bis heute erlaubt, eigenes Essen mitzubringen.

So sind die Biergärten im Sommer bis heute ein beliebtes Ausflugsziel und ein gemütlicher Treffpunkt – nicht nur in Bayern.

 

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Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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Henning Meyersrenken

Henning Meyersrenken

Henning Meyersrenken ist Seniorpartner der Kanzlei Meyersrenken & Rheingantz. Die Kanzlei hat ihren Hauptsitz in Köln und unterhält Niederlassungen in Leipzig und Schwedt. Rechtsanwalt Henning Meyersrenken selbst ist hauptsächlich auf den Gebieten des Zivilrechts tätig. Speziell im Vertragsrecht berät und vertritt er Mandanten bundesweit unter anderen in Fragen betreffend Kaufverträge, Mietverträge, Gesellschaftsverträge, bei Vertragsstörungen jeder Art, bei der Gestaltung von Verträgen etc. Die Kanzlei Meyersrenken & Rheingantz bietet mit derzeit acht Anwälten und Fachanwälten kompetenten Rechtsbeistand in einer Vielzahl weiterer Rechtsgebiete, darunter auch in den Bereichen Arbeitsrecht, Verkehrsrecht, Familienrecht, Bau- und Architektenrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht.

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