Marcus Creutz

Blut ist doch nicht dicker als Wasser

Ist dem Wohl eines Kindes damit besser gedient, kann das Familiengericht seine Unterbringung bei professionellen Pflegeeltern statt bei aufnahmebereiten Verwandten anordnen. Dies hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden (Az.: Az.: II-8 UF 187/17).

In dem konkreten Fall hatte das Amtsgericht Mühlheim an der Ruhr einer alleinerziehenden Mutter die elterliche Sorge über ihre heute zwei und zehn Jahre alten Kinder entzogen. Die Mutter hatte ihre Kinder aus eigener Hilflosigkeit stark vernachlässigt. Sie steht inzwischen selbst unter Betreuung. Die Familie wünschte, dass die Kinder nun bei den beiden Schwestern der Mutter aufwachsen sollten, die sich dazu bereiterklärt hatten.

Weil dieser Wunsch aber nicht den Interessen der Kinder diene, blieb er vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf unerfüllt. Es genüge nicht, dass den Kindern bei ihren Tanten keine weitere Gefahr drohe. Maßgeblich sei vielmehr, dass die Kinder in einer vom Jugendamt ausgewählten „Profi-Pflegefamilie“ besser aufgehoben wären als bei ihren Tanten. Das Gericht kreidete den Tanten an, dass sie sich bisher auch nicht sonderlich um die stark vernachlässigten Kinder gekümmert hätten. Die Richter betonten, dass die Kinder jetzt vor allem emotionale Sicherheit, einen sicheren Lebensort und stabile Lebensverhältnisse bräuchten.” Um die Unterbringung bei Pflegeeltern zu ermöglichen, hat das Gericht die Entscheidung des Amtsgerichts bestätigt, das Jugendamt zum Vormund zu bestellen.

Zum Hintergrund: Wenn den Eltern das Sorgerecht entzogen wird, muss das Familiengericht für das Kind einen Vormund bestellen. Der kann bestimmen, wo das Kind künftig lebt. Bei der Auswahl, wer Vormund werden soll, sind nahe Verwandte des Kindes einzubeziehen. Sie dürfen jedoch übergangen werden, wenn sie ungeeignet sind. Auch das Jugendamt kann zum Vormund des Kindes bestellt werden und das Kind bei Pflegeeltern unterbringen.

Grundlage für die Entscheidung der Düsseldorfer Richter ist die Vorschrift des § 1779 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), die lautet: “Das Familiengericht soll eine Person auswählen, die nach ihren persönlichen Verhältnissen und ihrer Vermögenslage sowie nach den sonstigen Umständen zur Führung der Vormundschaft geeignet ist. Bei der Auswahl unter mehreren geeigneten Personen sind der mutmaßliche Wille der Eltern, die persönlichen Bindungen des Mündels, die Verwandtschaft oder Schwägerschaft mit dem Mündel sowie das religiöse Bekenntnis des Mündels zu berücksichtigen.”