Nadine

Cybermobbing: Was kann ich tun?

Pikante Fotos, beleidigende Kommentare oder rufschädigende Behauptungen: Cybermobbing ist leider keine Seltenheit mehr. Jeder von euch hat wahrscheinlich schon einmal mitbekommen, wie jemand im Internet „fertiggemacht“ wurde. Wer so etwas schon einmal selbst als Opfer erlebt hat, weiß, wie demütigend solche Attacken – insbesondere für Kinder und Jugendliche – sein können. Ob im Vertrauen verschickte Nacktbilder an den „Freund“ oder üble Lästereien über die vermeintlich beste Freundin in sozialen Netzwerken – wenn aus Freunden Feinde werden, kennen viele ihre Grenzen nicht. Ein Grund mehr, dass du dich dagegen wehrst!

Mobbing im Internet: Strafbar?

Cybermobbing kann nicht nur für die Betroffenen verheerende Folgen haben. Von Rechtsanwalt Kai Solmecke weiß ich, dass laut Gesetz auch den Tätern schwere Konsequenzen drohen. Denn Mobbing – ob im reellen oder virtuellen Leben – ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat! „Bei Beleidigungen, Verleumdungen und übler Nachrede muss der Verantwortliche mit einer Geldstrafe, wenn nicht sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen.“ Nicht nur deshalb sollte man sich zweimal überlegen, was man über den anderen im Netz schreibt. Wer Opfer von Cybermobbing wird, muss das nicht auf sich sitzen lassen – du kannst dich wehren! Eine Strafanzeige bei der Polizei ist dafür ein Muss. Falls du noch minderjährig bist, wende dich in jedem Fall an deine Eltern. Auch wenn es für dich als Kind bzw. Jugendlicher erst einmal unangenehm ist, können dir deine Eltern helfen, dich gegen die Täter und das Mobbing zur Wehr zu setzen. Außerdem solltest du dich an deine Lehrer wenden, damit auch die Schule über das Mobbing und den Täter Bescheid weiß.

Und noch ein Tipp vom Anwalt: „Um die Beleidigung oder Verleumdung im Internet zu beweisen, solltest du immer Screenshots machen – und absichern!“ Nur so bekommt der Täter auch seine verdiente Strafe.

Cybermobbing: Schlimmeres verhindern

Hat man schon ein peinliches Foto von sich auf Facebook und Co. gesichtet, möchte man nur noch im Boden versinken oder sich verkriechen. Verständlich! Aber gerade bei Fotos, die sich im Netz unfreiwillig rasend schnell verbreiten, gilt: Schnell handeln! Denn Bilder, die gegen deinen Willen veröffentlicht werden, müssen auch wieder gelöscht werden. Was viele nicht wissen: Bilder dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet werden. Alles andere ist gegen das Gesetz!

Das gleiche gilt übrigens auch für rufschädigende oder beleidigende Kommentare beziehungsweise Posts in sozialen Netzwerken: „Betroffene können vom Betreiber der jeweiligen Plattform fordern, diese Einträge zu löschen“, betont der Rechtsexperte.

Wo fängt Cybermobbing an?

Natürlich kann man im Nachhinein immer sagen „Das war doch nur ein Spaß“. Aber so mancher Scherz überschreitet nun mal die Grenzen des guten Geschmacks. Da stellt sich doch schnell die Frage, wann ein Post im sozialen Netzwerk überhaupt rufschädigend und damit strafbar ist. Rechtsanwalt Kai Solmecke stellt klar: „Rufschädigendes Verhalten ist dann strafbar, wenn es sich um Verleumdung oder üble Nachrede handelt“. Üble Nachrede bedeutet, dass jemand über einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, die dessen Ruf in der öffentlichen Meinung schädigen kann, obwohl er nicht weiß, ob seine Äußerung wahr ist. Im Fall einer Verleumdung behauptet jemand eine unwahre Tatsache, die den anderen öffentlich herabwürdigt, obwohl er die Wahrheit kennt. In beiden Fällen solltet ihr den Täter zur Rechenschaft ziehen und ihn anzeigen!

Ich rate allerdings dringend davon ab, dich in gleicher oder ähnlicher Weise zu rächen. Denn das kann schnell nach hinten losgehen! Wer sich auf das gleiche Niveau seiner Feinde begibt, geht nicht nur die Gefahr ein, sich selbst strafbar zu machen. Du hast dadurch auch nichts gewonnen. Geh’ lieber den rechtlich sicheren Weg und zeig’ den Verantwortlichen an! Nur so zeigst du, dass du dir nicht alles gefallen lässt.

Gerade als Schüler kannst du so auch ein Statement für deine Mitschüler setzen. Wenn einer so mutig ist und den Täter an deiner Schule anzeigt, setzen sich vielleicht auch andere Schüler zur Wehr. Denn oft bist du als Opfer nicht allein! Viele Jugendliche und Kinder trauen sich nicht, den Täter anzuzeigen – aus Angst, dass das Cybermobbing dann noch schlimmer wird. Doch es ist wichtig, dass du deine Grenzen aufzeigst. Nur so bekommt der Übeltäter seine verdiente Strafe – und du kannst wieder beruhigt in die Schule gehen und die Vorzüge der sozialen Netzwerke nutzen.

Cyber-Kriminalität: Mobbing ist verheerend für die Opfer

Mobbing über das Internet endet nicht nach der Schule, dem Fußball-Training oder der Arbeit. Auch zu Hause sind viele nicht vor Beleidigungen, dem Bloßstellen oder Belästigen geschützt – das Internet macht’s möglich. Man hat also keinen richtigen Rückzugsort vor Mobbing-Attacken. Und was das Ganze noch verschlimmert: Das Ausmaß von Cybermobbing ist extrem, denn Inhalte verbreiten sich im World Wide Web in Sekundenschnelle und sind nur schwer zu kontrollieren. Vielen Opfern von Cybermobbing fällt es daher schwer, darüber hinwegzukommen – immer wieder können diese Inhalte ans Licht kommen. Wie verletzend manche Posts, Kommentare, Nachrichten oder Bilder für die Opfer sein können, sehen die Mobber meist gar nicht. Denn die Reaktionen finden ja hinter dem Bildschirm statt.

Weil Mobbing verheerende psychische Folgen für die Opfer haben kann, ist Cybermobbing eine besonders schwere Form von Cyberkriminalität. Auch wenn das Internet unseren Alltag grundlegend geändert hat und vieles vereinfacht, lauern im Netz dennoch zahlreiche Gefahren. Nicht nur Mobber können einem das Leben schwer machen. Ebenso sind Hackerangriffe, Datenverlust und Missbrauch von Kreditkartennummern oder Passwörtern weitverbreitete Straftaten im Netz.

Mein Fazit: Solltest du von Cybermobbing betroffen sein, handle sofort und setz’ dich zur Wehr! Hier sind die wichtigsten To-dos, wenn du von Mobbing im Internet betroffen bist:

  • Bei Kindern und Jugendlichen: Bist du noch minderjährig, beziehe deine Eltern und deine Lehrer mit ein. Erzähle ihnen, was über dich im Netz verbreitet wurde und wer der Übeltäter ist.
  • Beweise speichern: Mach’ Screenshots von den Posts, Kommentaren und Bildern. Auf diesen Screenshots sollte man genau sehen können, wann diese Posts, Kommentare oder Bilder veröffentlicht wurden und von wem.
  • Melde diese Beiträge der Plattform und fordere, diese zu löschen.
  • Zeige den Täter bei der Polizei an!

Weiterführendes zum Thema Mobbing findest du hier:

andokasblog

irgendwasabgespielt

Teile diesen Beitrag


0 Bewertungen / Durchschnitt: 0 von 5 Sternen

Die Rechtschützer

Dein Team für alle Rechtsfragen im Alltag

Nadine

Nadine

Als Liebhaberin von Paprikachips würde Nadine gern den Konsum des suchtgefährdenden Kartoffelprodukts per Gesetz finanziell unterstützen. Dafür reicht ihr von ihren Mitmenschen dann auch ein ganz einfaches „Dankeschön!“. Und weil sie so gerne zur Arbeit fährt, würde sie sich am liebsten per Superkraft schnell zu ihren Kollegen beamen.

Blogbeiträge von Nadine

Unser Partneranwalt

Das kompetente Fachanwälte-Netzwerk

Kai Solmecke

Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

Kommentar

Du hast eine Frage oder eine Anmerkung zu diesem Artikel?

Wir freuen uns auf den Austausch mit euch ... :)

Bisherige Kommentare (2)

  • Carsten Keller

    Wir arbeiten seit vielen Jahren für verschiedene Organisationen (Zartbitter, Innocence in Danger..) gegen Cybermobbing und jegliche Art von Angstmache im Internet. Eine gute Präventionsarbeit ist im Kampf gegen Mobbing im Internet essentiell.
    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein gutes Mittel um Schüler zu erreichen, das Medium Theater darstellt.
    Bekannte Stücke sind z.B. bei Zartbitter in Köln, der TPW, oder Innocence in Danger buchbar.
    Das Theaterstück “YOUNET – Theater gegen Cybermobbing” ist gut geeignet, um Schülern wertvolle Tipps zum Umgang mit Internet und Handy zu geben. Das Stück beinhaltet ein Nachgespräch, welches im Anschluss an das Theaterstück durchgeführt wird.
    http://www.sotano-theaterproduktionen.de/younet

    Informieren kann man sich auch unter:
    http://www.nummergegenkummer.de
    http://www.klicksafe.de
    http://www.zartbitter.de

    • Sebastian

      Sebastian

      Hi Carsten,

      danke für deinen Input!

      Viele Grüße

      Sebastian

Ausgezeichnet!

ROLAND Rechtsschutz ist eine gute Wahl. Das zeigen auch positive Bewertungen in unabhängigen Tests.

Rechtsfrage des Monats: Ein Fall für die Rechtsschützer

Du hast eine Rechtsfrage und findest nirgendwo die richtige Antwort? Dann beschreibe uns deine Frage so genau wie möglich. Jeden Monat beantworten unsere spezialisierten Anwälte eine Frage unserer Blog-Leser. Welche das ist, entscheidet das Los. Mach mit – und vielleicht bekommst du noch diesen Monat deine Antwort.

Bevor es los geht …

Damit wir deine Rechtsfrage in die Lostrommel werfen können und du vielleicht eine kostenfreie Rechtsberatung bekommst, benötigen wir ein paar Infos von dir. Bitte schildere uns deine Frage so konkret wie möglich. Für eventuelle Rückfrage benötigen wir auch deinen Namen und deine E-Mail-Adresse. Bestätige bitte auch, dass wir deine Frage nachher anonymisiert auf unserem Blog veröffentlichen dürfen.

Danke, dass du bei der „Rechtsfrage des Monats“ mitmachst!

Die mit * gekennzeichneten Angaben sind Pflichtfelder

Danke!

Wir haben deine Rechtsfrage erhalten. Damit nimmst du automatisch an der Verlosung teil! Mit etwas Glück beantworten wir deine Rechtsfragen in der kommenden „Rechtsfrage des Monats“. Wir wünschen dir viel Glück!

Deine RECHTschützer