Julia

Ein Rechtsstreit? Trifft mich schon nicht!

Wenn ich mich auf einer Geburtstagsparty beim üblichen „Und was machst du so beruflich?“ als Mitarbeiterin einer Rechtsschutz-Versicherung oute, verlaufen die Gespräche eigentlich immer recht ähnlich. Zuerst kommt ein Blick, der irgendwo zwischen Mitleid und Unverständnis schwankt. Dann kommt in der Regel die Frage, wozu man eine Rechtsschutz-Versicherung überhaupt braucht. Wenn man nicht gerade ein totaler Querulant sei, könne man Streitigkeiten ja wohl ohne Richter klären. Und dann könne man die Kohle doch sinnvoller investieren als in eine Rechtsschutz-Versicherung, so die überwiegende Meinung. Keine Sorge, ich werde an dieser Stelle jetzt sicher keine Versicherungs-Verkaufs-Parolen schwingen – obwohl ich’s natürlich könnte. Wir haben das Thema vor einiger Zeit allerdings im Redaktionsteam besprochen und festgestellt, dass jeder von uns solche Gespräche häufiger führt. Und wir wollten wissen, ob wir zufällig immer besonders positiv denkende Personen treffen oder ob das Risiko, in einen Rechtsstreit zu geraten, in der deutschen Bevölkerung tatsächlich unterschätzt wird. Deshalb haben wir eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben.

Mehr als ein Viertel war schon in einen Rechtsstreit verwickelt

Mehr als jeder Vierte war in den letzten zehn Jahren bereits in einen Rechtsstreit verwickelt.

Mehr als jeder Vierte war in den letzten zehn Jahren bereits in einen Rechtsstreit verwickelt.

Die vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführte Umfrage hat unsere Vermutung bestätigt: 57 Prozent der Befragten halten es für sehr bzw. eher unwahrscheinlich, selbst innerhalb der nächsten zehn Jahre in einen Gerichtsprozess verwickelt zu werden. Dabei sieht die Wirklichkeit anders aus: Mehr als ein Viertel der Deutschen (27 Prozent) war innerhalb der letzten zehn Jahre bereits in einen Gerichtsprozess verwickelt – ob als Kläger, Beklagter oder Zeuge. Männer (31 Prozent) traf es dabei häufiger als Frauen (24 Prozent).

Bildung und Einkommen beeinflussen die Risiko-Einschätzung eines Rechtsstreits

Wir wollten außerdem wissen, ob der Bildungsgrad und das Einkommen der Befragten auch einen Einfluss auf die Risiko-Einschätzung haben. Klare Antwort: Ja, so ist es! 42 Prozent der Befragten mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss, aber nur 25 Prozent ohne Bildungsabschluss halten es für wahrscheinlich, in einen Prozess verwickelt zu werden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Bezug auf das Haushalts-Nettoeinkommen: Wer in einem Haushalt lebt, in dem mehr als 3.000 Euro verdient werden, hält es für wahrscheinlicher, selbst in den nächsten zehn Jahren in einen Gerichtsprozess verwickelt zu sein (38 Prozent), als Personen mit einem geringeren Haushalts-Nettoeinkommen (33 Prozent).

Kosten eines Rechtsstreits werden unterschätzt

Außerdem macht die Studie deutlich, dass auch die möglichen Prozesskosten von einer überwiegenden Mehrheit deutlich unterschätzt werden: Wir haben gefragt, wie hoch die Prozesskosten in einem Fall mit einem Streitwert von 25.000 Euro sein könnten. Allen, die selbst mitraten wollen, gebe ich jetzt kurze Bedenkzeit…

Tatsächlich muss man beim genannten Streitwert mit 6.483 Euro rechnen. Hättet Ihr’s gewusst? 79 Prozent der Befragten haben damit jedenfalls nicht gerechnet. Sie unterschätzten die anfallenden Kosten um mindestens 20 Prozent – und viele lagen noch mehr daneben. Lediglich drei Prozent haben das reale Kostenrisiko mit ihrer Einschätzung annähernd getroffen. Auch Befragte, die in den letzten zehn Jahren schon einmal in einen Gerichtsprozess verwickelt waren, waren von den hohen Kosten überrascht und schätzten diese im Vorfeld geringer ein (43 Prozent).

Nein, ich will immer noch keine Werbung für eine Rechtsschutz-Versicherung machen. Muss ja jeder selbst entscheiden, wie und wovor er sich absichert. Aber ICH habe für die nächsten Party-Diskussionen jetzt wieder neue Argumente …

 

Wenn Ihr mehr erfahren wollt: Die gesamten Umfrageergebnisse gibt’s hier!