Julia

Filmen und Fotografieren: Was ist erlaubt?

Ein Schnappschuss hier, ein Filmchen da: Fast jedes Erlebnis wird heutzutage digital festgehalten. Kein Wunder – mit dem Smartphone ist das ja auch schnell und leicht gemacht. Bilder und Videos können einfach bearbeitet und direkt ins Netz hochgeladen werden. Doch welche Rechte und Pflichten hat man beim Filmen und Fotografieren in der Freizeit eigentlich? Darüber habe ich mich mit Rechtsanwalt Gerald Röschke aus der Bitterfelder Anwaltskanzlei Jürges, Knop und Stiller unterhalten.

Spielregeln fürs Knipsen: Wen darf ich in der Öffentlichkeit filmen und fotografieren?

Fotogen oder nicht – es gibt Leute, die sich selbst nicht gern vor die Linse stellen. Darf man trotzdem jeden einfach filmen und fotografieren? ROLAND-Partneranwalt Gerald Röschke stellt klar: „Nein! Grundsätzlich darf jeder Mensch selbst entscheiden, ob er fotografiert oder gefilmt werden möchte.“ Jeder (Hobby-)Fotograf braucht also die Erlaubnis des jeweiligen Modells – bei unter 18-Jährigen natürlich auch die der Eltern. „Es gibt allerdings Ausnahmen“, so der Rechtsexperte. „Das sind unter anderem Personen, die als ‚Beiwerk‘ auf den Aufnahmen erscheinen, also beispielsweise Touristen neben dem Brandenburger Tor.“ Das Gleiche gilt übrigens auch für Personen bei Versammlungen, Umzügen und anderen Großveranstaltungen. „Und dann gibt es da noch die sogenannten Personen der Zeitgeschichte: Bilder oder Videos von Politikern oder bestimmten Personen zu besonderen Ereignissen wie beispielsweise Sport- und Musikveranstaltungen sind demnach erlaubt“, so Gerald Röschke.

Filmen und Fotografieren für Facebook, Instagram oder Snapchat: Was darf ich posten?

Schaut man sich heute in den sozialen Netzwerken um, fällt besonders eines auf: Immer mehr Personen stellen das eigene Privatleben mit Bildern zur Schau. Wenn allerdings noch andere Personen auf dem Bild zu sehen sind, ist Vorsicht geboten! Rechtsanwalt Gerald Röschke warnt davor, solche Aufnahmen ohne Einwilligung im Internet zu posten. „Denn wer ohne Erlaubnis Fotos oder Videos der aufgenommenen Personen veröffentlicht, macht sich strafbar“, so der Rechtsexperte. Mit „Veröffentlichen“ ist hier das Hochladen in Social-Media-Kanäle und auf jede andere Homepage gemeint. Gleiches gilt auch für Veröffentlichungen in Zeitungen, auf Flugblättern und Ähnlichem. Der Anwalt betont: „Man muss grundsätzlich für die Verbreitung um Erlaubnis fragen, solange nicht eine der eingangs genannten Ausnahmen gilt.“

(K)eine Frage der Moral: Filmen und Fotografieren von Unfallorten

Man hört es immer wieder in den Nachrichten: Gaffer und Schaulustige tummeln sich an Unfallorten und schießen davon sogar noch Fotos. Ungeachtet möglicher ethischer Konflikte: Dürfen Bilder oder Videoaufnahmen von Unfallorten gemacht werden? ROLAND-Partneranwalt Gerald Röschke: „Der Gesetzgeber hat das Fotografieren bzw. Filmen einer Person in Notsituationen unter Strafe gestellt. Wer also Filme oder Videos von Unfallorten macht und damit den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.“ Bestraft wird übrigens nicht nur der Filmer selbst: Auch wer eine solche Bildaufnahme gebraucht, an Dritte weiterleitet oder veröffentlicht, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen.

Traumhaus in Sicht: Darf ich einfach Aufnahmen von fremden Gebäuden machen?

Bei Fotos, die im Freien aufgenommen werden, ist es fast unvermeidlich: Einzelne Häuser, Wolkenkratzer und andere Bauwerke sind im Hintergrund zu sehen. Aber darf ich Gebäude überhaupt einfach fotografieren oder filmen? Gerald Röschke schränkt ein: „Das ist nur bei Gebäuden erlaubt, die sich an einem öffentlichen Weg, einer Straße oder einem Platz befinden. Auch darf man nicht in den Innenbereich – also zum Beispiel durch ein Fenster oder durch die Terrasse – hineinfotografieren. Wenn man ein fremdes Grundstück betreten muss, um das Gebäude zu fotografieren oder zu filmen, muss man den Eigentümer um Erlaubnis fragen.“ Auch private Überwachungskameras dürfen ausschließlich das eigene Grundstück filmen und nicht den öffentlichen Raum oder gar das Nachbargrundstück.

Zu guter Letzt: Wem gehören eigentlich Fotos? Ist der Fotograf Eigentümer seiner geschossenen Bilder? Oder haben die Modelle, die auf den Fotos abgebildet sind, einen Besitzanspruch? Gerald Röschke hierzu: „Die Fotos gehören dem Fotografen, da er der Urheber des fotografischen Werkes ist.“ Eigentümer ist demnach also nicht die abgebildete Person. Mehr zum Thema Urheberrecht in diesem Blogbeitrag.

Teile diesen Beitrag


34 Bewertungen / Durchschnitt: 2.7 von 5 Sternen

Die Rechtschützer

Dein Team für alle Rechtsfragen im Alltag

Julia

Julia

Auch wenn Julia mal wieder von Dingen der Unmöglichkeit träumt, hält sie im Büro das Gleichgewicht. Grund dafür ist vermutlich ihre äußerst ausgewogene Ernährung, für die ihre Kollegen sorgen.

Blogbeiträge von Julia

Unser Partneranwalt

Das kompetente Fachanwälte-Netzwerk

Gerald Röschke

Gerald Röschke ist Rechtsanwalt und Dipl.-Ing., zugleich Fachanwalt für Verkehrsrecht und Versicherungsrecht. Er hat sich zudem auf die Fachbereiche Sozialrecht, Baurecht sowie Strafrecht und Bußgeldsachen spezialisiert. Er ist für die überörtliche Anwaltssozietät jürges.knop.stiller am Standorten Bitterfeld tätig.

Bisherige Kommentare (25)

  • Avatar

    Andrea Brandenburg

    Guten Tag,
    Ich bin Inhaberin eines Garten und Landschaftsbaubetriebes. Wir werden immer öfters bei Ausführung unser Arbeiten bei Kunden auf dem Grundstück gefilmt bzw es werden Videoaufzeichnungen vorgenommen. Darf der Kunde das ohne unser Einverständnis? Beste Grüße Andrea Brandenburg

    • Maja

      Maja

      Hallo Andrea, leider dürfen wir Redakteure dir keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du aber gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Juli und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Carsten

    Wie verhält es sich wenn ein Nachbar Handyaufnahmen von unserem Garten fertigt weil dort gerade ein Hase durchhuscht?

    Viele Grüße
    Carsten

    • Nadine

      Nadine

      Hallo Carsten, vielen Dank für deinen Kommentar! Leider dürfen wir als Redakteure zu individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du ansonsten gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Juni und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Regina Phallange

    In unserer Schule wird zunehmend gestohlen. Alleine aus unserer Klasse sind inzwischen Wertsachen in einem Wert von fast 1.250€ gestohlen. Ist es verboten eine versteckte Kamera aufzustellen und den Dieb zu filmen, um ihn zu schnappen, wenn es sich positiv auf das allgemeine Wohl auswirken würde?

    • Nadine

      Nadine

      Hallo und vielen Dank für deinen Kommentar! Leider dürfen wir als Redakteure zu individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du ansonsten gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Juni und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    albrecht krause

    wer muss den entspr Nachweis führen, wenn mich/uns mein Nachbar per Videokamera-Ausrichtung filmt und behauptet, per Kamerafokus nur seinen Grenzbereich zu filmen?

    Eigentlich sollte die Nachweispflicht beim Verursacher/Kamerabetreiber liegen. Wie ist hier die generelle Rechtslage?
    Danke
    Albrecht Krause, Taucha-Leipzig

    • Nadine

      Nadine

      Hallo Albrecht, vielen Dank für deinen Kommentar! Leider dürfen wir Redakteure zu individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du ansonsten gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Juni und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Kalle Retz

    Ein Freund von mir hat unerlaubterweise einen Koffer in einem Müllcontainer entsorgt, obwohl dieser hierfür wohl nicht vorgesehen war, hierbei wurde er und sein KfZ von einem Nachbarn (Privatperson) fotografiert u. promt bekam er von dem zuständigen Ordnungsamt der Gemeinde eine Verwarnung über ca. 50,– € u. fast gleichzeitig eine Mahnung hierfür über ca. 40,– €. Er bezahlte beides sehr verwundert sofort, da er ein Geflüchteter ist u. mit den deutschen Behörden keinen Ärger haben wollte. Ist das rechtens, dass es einer Behärde erlaubt, Fotos von Privatpersonen für eine Anzeige zu verwenden u. ist es rechtens sofort eine Mahnung hinterherzuschicken?

    • Hannah

      Hannah

      Hallo Kalle, leider dürfen wir Redakteure zu individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du aber gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats Mai und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Michael

    Man hat mein Fahrzeug auf der Straße gefilmt und behauptet ich hätte Nötigung im Straßenverkehr begangen. Fotos liegen der Polizei vor. Man hat das unter Straftatbestand dort behandelt nach Paragraph 240 StGB. Jetzt geht das zum Staatsanwalt. Sind die Fotos/Film rechtskräftig?

    • Julia

      Julia

      Hallo Michael, wenn die Sache bereits beim Staatsanwalt ist, solltest du dich in jedem Fall von einem versierten Rechtsanwalt beraten lassen. Wir dürfen leider an dieser Stelle keine Rechtsberatung geben. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Bastian

    “Bestraft wird übrigens nicht nur der Filmer selbst: Auch wer eine solche Bildaufnahme gebraucht, an Dritte weiterleitet oder veröffentlicht, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen.”

    Frage: Gilt dies auch für Aufnahmen die im Ausland gemacht wurden(wo das deutsche Recht nicht gilt)?
    Wenn ich z.B. ein Video, das in Russland aufgenommen wurde, von einem Unfall, weiterleite oder veröffentliche, mache ich mich damit Strafbar bzw. muss ich mit Strafen rechnen?

    • Julia

      Julia

      Hallo Bastian, leider dürfen wir zu solchen individuellen Fragen keine Rechtsberatung geben. Wenn du möchtest, kannst du aber gerne an unserer Rechtsfrage des Monats teilnehmen (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen). Mit etwas Glück wird deine Frage dann Rechtsfrage des Monats April und von einem Rechtsanwalt beantwortet. Viele Grüße von den RECHTschützern

  • Avatar

    Martin

    Sehr geehrte Damen und Herrn,

    wie sieht es rechtlich aus wenn ich eine Kammera im Auto habe die auch andere Autos und somit Kennzeichen Filmt und diese dann auch Youtube hochladen würde.?
    Muss ich hier etwas beachten? Ist dies verboten?

    • Maja

      Maja

      Hallo Martin, leider dürfen wir Redakteure dir keine Rechtsberatung geben. Gerne kannst du deine Frage beim “Rechtsfall des Monats” (https://www.roland-rechtsschutz.de/blog/rechtsfall-des-monats, ganz nach unten scrollen) einreichen. Mit etwas Glück wird sie gezogen und von einem unserer Partneranwälte beantwortet. Viel Glück und viele Grüße von den Rechtschützern

  • Avatar

    Julian Fricke

    Hallo, ich hätte mal eine Frage, wessen Antwort darauf ich nicht aus diesem Text entnehmen kann. Ich habe vor ein Privates Video an jemanden zu schicken, kann ich mich dabei irgend wie Rechtlich absichern, sodass ich ihm in einem Brief eine Unterlassung zur Weitergabe meines Videos schreibe ? Welcher Paragraph wäre das ? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Lg Julian

    • Sebastian

      Sebastian

      Hallo Julian,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Beachte bitte, dass wir hier keine Rechtsberatung durchführen dürfen. Als rechtlicher Laie würde ich es aber so machen, dass du einfach in die Mail einen kleinen Satz reinschreibst, dass die Weitergabe und Verbreitung des Videos der expliziten Zustimmung des Urhebers bedarf. Du kannst dich ansonsten auch mal zum Thema Urheberrecht auf unserem Blog belesen. Für absolute Rechtssicherheit wird dir ein Fachanwalt für Urheberrecht weiter helfen.

      Ich hoffe ich konnte dich ein wenig inspirieren 🙂

      Viele Grüße

      Sebastian

  • Avatar

    Jacques

    Hallo,

    ich habe eine Frage gerade bezüglich Überwachungskameras auf privaten Grundstücken.
    Angenommen ein Einfamilienhaus grenzt an die Straße. Wenn eine Person öfters vorbeiläuft und Steine gegen die Fenster des Hauses wirft, dürfte man dann zu Beweis- und Dokumentationszwecken keine Überwachungskamera auf den Gehweg richten?
    Natürlich würde alles was nicht relevant ist gelöscht werden. Ansonsten könnte eine Person Schaden am Haus anrichten, aber es gäbe keine Beweise dafür, dass diese bestimmte Person der Verursacher ist. Auch Zeugen wären nicht so zuverlässig wie eine Kamera. Weiterhin sind Zeugen beeinflussbar und ihre Wahrnehmung kann sie täuschen. Wenn aber eine Straftat wie z. B. die Sachbeschädigung gefilmt wird mit dem Verursacher bestehen keine Zweifel.

    • Julia

      Julia

      Hallo Jacques,

      laut unserem Partneranwalt Gerald Röschke ist das dauerhafte Filmen von öffentlichen Straßen und Fußwegen – auch zu Beweissicherungszwecken – nicht zulässig, da hierbei dauerhaft alle Verkehrsteilnehmer und Fußgänger überwacht werden.

      Wir hoffen, Dir mit dieser Antwort weitergeholfen zu haben.

      Viele Grüße von den RECHTschützern


Weitere interessante Artikel