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Mediation – Was ist das?

Wenn zwei sich streiten, führt irgendwann kein Weg mehr am Gericht vorbei – oder etwa doch? Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an Alternativen zu einem langwierigen, belastenden und häufig sehr teuren Gerichtsprozess.

Die wohl bekannteste Form der außergerichtlichen Konfliktlösung ist die Mediation. Wie der aktuelle ROLAND Rechtsreport zeigt, kennt heute fast jeder dritte Bürger das Mediationsverfahren. Und: Fast die Hälfte der Bevölkerung denkt, dass sich durch die Mediation viele Konflikte lösen lassen. Aber wie funktioniert eine Mediation überhaupt?

Stellen wir uns einfach folgenden Fall vor: Du hast ein attraktives Jobangebot erhalten. Die neue Firma will, dass du dort schnellstmöglich anfängst. Laut der Kündigungsfrist in deinem Arbeitsvertrag ginge das aber erst in rund fünf Monaten. Da du Sorge hast, deinen Traumjob an einen anderen Kandidaten zu verlieren, bittest du deinen Chef, dich früher aus dem Vertrag zu lassen. Er reagiert jedoch verärgert und lehnt ab. Auch in weiteren Gesprächen pocht er darauf, dass du bis zum Vertragsende bleibst. Wie könnte eine Mediation nun helfen?

Das Ziel: Die einvernehmliche Lösung

Zuerst solltest du wissen, dass es bei einer Mediation nicht darum geht, einfach stur seine Interessen durchzusetzen. Das Ziel dieser außergerichtlichen Konfliktbeilegung ist es, eine Lösung zu finden, mit der beide Konflikparteien leben können. Damit das gelingen kann, führen die Beteiligten in der Regel mehrere Gespräche – unter Einbeziehung eines Mediators.

Ein Mediator ist eine neutrale Person, die bei der Konfliktlösung unterstützt. Er oder sie wird von beiden Seiten beauftragt und sorgt als objektiver Vermittler für einen strukturierten Ablauf und eine konstruktive Erarbeitung der Lösung. Wichtig zu wissen: Der Begriff “Mediator” ist nicht geschützt und kann von jedem als Berufsbezeichnung geführt werden. Mit Einführung des Mediationsgesetzes 2012 wurde allerdings bestimmt, dass sich nur Personen “Zertifizierter Mediator” nennen dürfen, die gemäß des Gesetzes ausgebildet wurden und regelmäßig an Fortbildungen und Supervisionen teilnehmen.

Freiwilliges Verfahren

Nehmen wir an, du wärst im genannten Beispiel bei deiner Internetrecherche auf die zertifizierte Mediatorin Frau L. gestoßen. Würdest du deinem Chef also vorgeschlagen, dass ihr Frau L. zur Lösung eures Konflikts einbezieht, hätte dein Chef einerseits die Möglichkeit, das grundsätzlich abzulehnen. Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren und kann nur funktionieren, wenn sich beide Konfliktparteien darauf einlassen. Andererseits könnte dein Chef auch einen anderen Mediator vorschlagen, wenn er Frau L. nicht für kompetent oder unabhängig hält.

Gehen wir nun aber davon aus, dass dein Chef mit der Begleitung durch Frau L. einverstanden ist. Dann legt Frau L. im ersten Schritt gemeinsam mit euch den Inhalt, Umfang und zeitlichen Rahmen der Mediation fest. Da du eine schnelle Entscheidung benötigst, einigt ihr euch darauf, eine Lösung innerhalb der nächsten drei Wochen anzustreben. Darüber hinaus verständigt ihr euch darauf, dass ihr jeweils einzeln mit Frau L. telefonieren werdet.

“Pendelmediation”: Kein Aufeinandertreffen

Diese oft auch “Shuttlemediation” oder “Pendelmediation” genannte Form ist bei vielen Menschen beliebt. Der Mediator hört sich die Interessen und Vorstellungen der einen Partei an und übermittelt sie als neutraler Dritter an die andere Partei. Diese kann nun ebenfalls ihre Wünsche äußern. So geht es meist mehrfach hin und her, indem Lösungsangebote gemacht und von der anderen Seite beurteilt werden. Der Mediator selbst trifft dabei keine Entscheidungen, sondern “pendelt” ausschließlich mit den Informationen zwischen den Konfliktparteien. So können Konflikte oft schneller gelöst werden, da die Terminfindung einfacher ist. Zum anderen scheuen manche Menschen die direkte Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Konfliktgegner; beispielsweise wenn es um einen emotionalen Streit zwischen Ex-Partnern oder Nachbarn geht.

“Präsenzmediation”: Direkt an einem Tisch

Im Gegensatz dazu setzen sich die Konfliktparteien bei einer “Präsenzmediation” gemeinsam an einen Tisch. Das heißt, beide Seiten müssen sich auf einen bestimmten Ort und bestimmte Zeiten einigen, was eine zügige und zeitnahe Konfliktbearbeitung unter Umständen behindern kann. Auch fehlt der “Filter” des professionellen, neutralen Vermittlers: Platzt dir während der Diskussion der Kragen und du vergreifst dich im Ton, bekommt das dein Gegenüber natürlich direkt mit. Andererseits gibt es auch Befürworter der Präsenzmediation, die argumentieren, dass nur durch die direkte Kommunikation unmittelbar und unverfälscht eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann.

Ob Präsenz- oder Pendelmediation: Am Ende des strukturierten Verfahrens steht – im Idealfall – eine einvernehmliche Lösung. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn man sich zukünftig weiter “in die Augen schauen” möchte. So könnte der beschriebene Fall beispielsweise so ausgehen, dass Frau L. deinem Chef und dir hilft, genauer herauszuarbeiten, was eure jeweiligen Interessen sind, und wo ihr kompromissbereit seid. Vielleicht hat dein Chef einfach Sorge, dass mit dir sehr viel Wissen abwandert. Dann könntest du ihn beruhigen, dass du alle wichtigen Dinge zum Beispiel in Checklisten dokumentieren wirst, und auch bei der Auswahl deiner Nachfolgerin oder deines Nachfolgers helfen kannst. Der Kompromiss wäre dann zum Beispiel ein Aufhebungsvertrag nach drei – statt fünf – Monaten. Ohne böses Blut und mit einem tadellosen Arbeitszeugnis.

Ein paar Fakten

  • 73 Prozent der Deutschen kennen die Mediation.
  • Das europäische Parlament hat in einer Studie herausgefunden, dass ein Konflikt mit einem Streitwert von rund 66.000 Euro durchschnittlich 395 Tage braucht, bis er vor Gericht geklärt wird – bei Gerichtskosten und Honoraren in Höhe von durchschnittlich 9.510 Euro. Wird der Sachverhalt mithilfe einer Mediation geklärt, dauert das durchschnittlich 43 Tage und kostet 5.750 Euro.
  • Mindestens 200 Stunden investieren “zertifizierte Mediatoren” in ihre Ausbildung.

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Jede Sprache der Welt zu sprechen, wäre Majas großer Traum. Das fände sie auf Reisen ebenso praktisch wie im international besuchten Bierzelt – wohin sie leider nie ein Schulausflug geführt hat. Dafür kommt zum Glück der Spaß im Büro nicht zu kurz.

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