Marcus Creutz

Urteil: Hund darf bei Herrchen bleiben

Trennen sich Eheleute oder lassen sie sich gar scheiden, müssen sie sich darüber einigen, wer beispielsweise die Couchgarnitur, den Esstisch oder das Segelboot erhält. Dasselbe gilt auch für die Haustiere, die während der Ehezeit mit dem Paar gelebt haben. Makaber: Rein juristisch betrachtet gehören Tiere zum Hausrat. Das hört sich ziemlich herzlos an. Zum Glück ist es aber so, dass die Gerichte Tiere als Lebewesen respektieren.

Das verdeutlicht eine neue Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg (Az.: 11 WF 141/18). Die Eheleute hatten den Hund Dina im Juni 2013 erworben. Anfang Januar 2016 trennten sie sich. Die Ehefrau verzog nach Schleswig-Holstein. Dina verblieb zunächst beim Ehemann in Osnabrück. Im Jahr 2018 wollte die Ehefrau vor Gericht von ihrem Ehemann die Herausgabe des Hundes erstreiten.

Doch die Oldenburger Richter entschieden ganz im Sinne des Tierwohls. Der Hund sei zwar grundsätzlich als Hausrat einzuordnen, der nach Billigkeit zu verteilen ist. Bei der Zuteilung müsse aber dem Umstand Rechnung getragen werden, dass es sich um ein Lebewesen handelt. In Deutschland gelte ein ethisch fundierter Tierschutz, betonte das Gericht. Deshalb müsse insbesondere darauf Rücksicht genommen werden, dass Hunde Beziehungen zu Menschen aufbauen und unter dem Verlust eines Menschen leiden könnten. Es sei daher darauf abzustellen, wer den Hund in der Vergangenheit überwiegend versorgt, gepflegt und beschäftigt habe, wer also die Hauptbezugsperson des Tieres sei. Das Gericht sprach dem Ehemann den Hund zu, der nach Ansicht des Gerichts Hauptbezugsperson des Hundes geworden ist. Eine Trennung des Hundes vom Herrchen hielt das Gericht für unvereinbar mit dem Wohl des Tieres.

Fazit: Für alle Tierfreunde ist es beruhigend zu wissen, dass die Justiz das Tierwohl auch im Falle einer Scheidung ernst nimmt.