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Weihnachtsgeschenke: Umtausch ausgeschlossen?

Und, habt ihr schon Weihnachtsgeschenke gekauft? Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, aber ich fange meist recht früh mit den Einkäufen ein – um dann in der Woche vor Weihnachten immer noch nicht alles zusammen zu haben. Für das perfekte Geschenk grase ich meist mehrere Weihnachtsmärkte ab, laufe mir im Einkaufszentrum die Füße wund und durchforste das gesamte Internet. Aber was ist, wenn es beim Auspacken statt leuchtender Augen verzogene Mundwinkel gibt? Kann ich Geschenke umtauschen, weil sie nicht gefallen? Diese und weitere Fragen rund ums Weihnachtsshopping beantworte ich mit Hilfe von Rechtsanwalt Kai Solmecke.

Im Geschmack geirrt: Kann man Geschenke jederzeit und überall umtauschen?

Die Krawatte gefällt nicht, das Buch stand bereits im Regal und der Pulli ist zu groß. Also werden sie einfach umgetauscht. Aber geht das überhaupt so einfach? Kann man die Präsente immer und jederzeit umtauschen? „Grundsätzlich kann man Ware nicht einfach zurückgeben, nur weil sie nicht gefällt oder man sich vergriffen hat. Wenn der Händler eine Umtauschmöglichkeit anbietet, ist das Kulanz. Deshalb sollte man vorher klären, ob und –  wenn ja – wie lange das Geschäft die Fehlkäufe überhaupt zurücknimmt“, erklärt Rechtsanwalt Kai Solmecke.

Fehlt dann auch noch der Kassenbon, muss das ungeliebte Präsent in den Müll wandern – oder etwa nicht? Das wollen uns die Verkäufer auf jeden Fall oft glauben machen. „Der Kassenbeleg ist für die Rückgabe nicht zwingend erforderlich. Ohne Bon muss der Käufer aber auf anderem Weg beweisen, dass er die Ware tatsächlich zum entsprechenden Zeitpunkt im entsprechenden Laden gekauft hat – zum Beispiel mithilfe eines Zeugen oder anhand eines Kontoauszugs.” Kassenbon und Originalverpackung helfen natürlich enorm zu beweisen, dass die Ware tatsächlich in diesem Laden gekauft wurde. Möchte der Beschenkte das Weihnachtsgeschenk selbst und in einer anderen Filiale umtauschen, solltet ihr auch hier vorher klären, ob die Kaufhauskette diese Möglichkeit anbietet.

Und was ist mit reduzierter Ware? Kann diese grundsätzlich vom Kauf ausgeschlossen werden? Kommt darauf an! Wenn die reduzierte Ware fehlerhaft ist, kann sie genauso reklamiert werden wie nicht reduzierte. Doch aufgepasst: Hat der Händler vor dem Kauf darauf hingewiesen, dass es sich um Ware mit Schönheitsfehlern oder zweiter Wahl handelt, kann er die Rücknahme der Ware verweigern. Beim Umtausch reduzierter Ware in einem einwandfreien Zustand verhält es sich wie bei Nichtgefallen: Die Kulanz des Verkäufers ist entscheidend.

Weihnachtsgeschenk beschädigt: Bekommt man automatisch das Geld zurück?

Eine „Geld-zurück-Garantie” habt ihr in der Regel nicht. Grundsätzlich muss der Verkäufer für die Ware ab dem Zeitpunkt des Kaufs zwei Jahre geradestehen. Ist das Produkt also beschädigt, habt ihr innerhalb einer euch zumutbaren Frist einen Anspruch darauf, dass die kaputte Ware nachgebessert oder durch neue Ware ersetzt wird. Die Kosten hierfür übernimmt der Verkäufer. „Misslingt es dem Händler nach zwei Versuchen, diesen Anspruch zu erfüllen, hat der Käufer erst dann die Möglichkeit, vom Kaufvertrag zurückzutreten oder den Kaufpreis zu mindern“, erklärt Kai Solmecke. Beim Kauf mangelhafter Ware solltet ihr grundsätzlich darauf achten, sie innerhalb der ersten sechs Monate – am besten sofort – zu reklamieren. Dann geht das Gesetz davon aus, dass die Ware schon bei Kauf mangelhaft war. Zu einem späteren Zeitpunkt liegt es sonst an euch, den Mangel zu beweisen, damit ihr euer Rücktrittsrecht erfolgreich durchsetzen könnt.

Beim Umtausch fehlerfreier Sachen können Geschäfte auch eigene Auflagen machen und einen Gutschein über den Warenwert ausstellen. Wer somit schon beim Kauf unsicher ist, sollte es sich gut überlegen, bevor er seine Kreditkarte hinhält, und den Verkäufer fragen, ob ein Umtausch möglich ist.

Im falschen Jahr eingelöst: Können Geschenkgutscheine ihre Gültigkeit verlieren?

Kennt ihr das auch? Freunde oder Familienmitglieder für die man einfach nie das passende findet? Entweder haben sie schon alles oder ihr Geschmack ist so speziell, dass man sowieso nicht das Richtige findet. Da ist ein Gutschein doch eine gute Alternative, um dem Fehlkauf vorzubeugen. Aber kann dieser eigentlich ablaufen? „Tatsächlich verjährt der Anspruch aus einem Geschenkgutschein nach drei Jahren – unabhängig davon, ob das auf dem Coupon vermerkt ist. Wenn der Anbieter aber einfach ein ‚Verfallsdatum‘ von unter drei Jahren vorgibt, ist das in der Regel unzulässig“, erklärt Kai Solmecke.

Habt ihr euch auch bei diesem eigentlich so risikofreien Geschenk vergriffen, sollte sich der Beschenkte aber dennoch etwas dafür aussuchen – denn zurückgeben geht nicht. „Es ist nicht möglich, den Gutschein gegen Bargeld einzutauschen. Das ginge nur, wenn sich der Gutschein auf ein ganz bestimmtes Produkt bezieht und dieses bei der Einlösung nicht mehr verfügbar ist.“

Im Glühweinrausch gekauft: Kann man Weihnachtsmarkt-Präsente umtauschen?

Jahr für Jahr zieht es zahlreiche Besucher auf die Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland – zu Heißgetränken, Schlemmereien und Shoppingtouren. Wenn ihr auf dem Christkindlmarkt noch schnell ein „Last-Minute-Geschenk“ erwerbt, solltet ihr dabei aber besser einen glühweinfreien Kopf bewahren und für einen eventuellen Umtausch die Augen offenhalten. Denn schließlich sind die weihnachtlichen Märkte spätestens nach den Festtagen verschwunden. „Der Händler, der seine Waren auf einem Weihnachtsmarkt anbietet, muss seine Geschäftsdaten deutlich sichtbar an seinem Stand anbringen. Diese sollte sich der Käufer notieren und sich außerdem einen Kaufbeleg geben lassen, damit er defekte Ware später noch reklamieren kann“, so Rechtsanwalt Kai Solmecke.

Ansonsten gilt auf dem Weihnachtsmarkt das gleiche Prinzip wie im Geschäft: „Gefällt das Geschenk einfach nur nicht, hat der Käufer keinen Anspruch, es umzutauschen.“ Ist das erworbene Windspiel aber defekt oder verliert das neue Schmuckstück einen Stein, darf der Verkäufer erst nachbessern oder gegen ein mangelfreies Exemplar austauschen. Hat die Nachbesserung nicht den gewünschten Effekt, muss er aber den Kaufpreis erstatten.

Im Internet geshoppt: Was muss man bei Online-Bestellungen beachten?

Die einfachste Methode, um die vorweihnachtlichen Einkäufe schnell über die Bühne zu bringen, ist und bleibt das World Wide Web. Hier sind auch die exotischsten Weihnachtsgeschenke irgendwann gefunden. Doch dafür müssen sich Online-Shopper schon mal von ihren Stamm-Websites wegbewegen. „Wer beim Einkaufen, zum Beispiel auf fremden und ausländischen Websites, auf Nummer sicher gehen will, sollte sich über Bezahlsysteme wie zum Beispiel PayPal absichern. So wird der Kaufpreis erst nach Erhalt der Ware freigegeben“, rät Kai Solmecke. Aber auch der Kauf über zertifizierte Anbieter, so genannte Trusted Shops, gibt euch eine gewisse Sicherheit. Wenn das Geschenk pünktlich unterm Weihnachtsbaum liegen soll, solltet ihr die Bestellung früh genug aufgeben. „Liefertermine, die auf den Websites angegeben werden, sind nicht unbedingt verbindlich.“ Auf Angaben wie ‚versandfertig in 24 Stunden‘ könnt ihr euch also weder verlassen noch rechtlich berufen.

Und auch bei der Rückgabe gibt es einiges zu beachten. So könnt ihr Einkäufe bei Onlinehändlern zwar innerhalb von 14 Tagen ab Zusendung ohne Begründung einfach zurückschicken. Das gilt allerdings längst nicht für alle Produkte: „Sonderanfertigungen, schnell verderbliche Lebensmittel oder versiegelte Ware, die bereits ausgepackt wurde, kann nicht einfach zurückgeschickt werden. Das ist vor allem bei verschweißten DVDs und CDs immer wieder ein Problem.“

Weihnachtsgeschenke bei eBay: Was muss ich beachten?

Über Online-Auktionen wie eBay lässt sich schnell das ein oder andere Schnäppchen machen. Aber Produkte, die du über eine Plattform von Privatpersonen kaufst, sind meist vom Umtausch ausgeschlossen. Was also machst du, wenn du mit dem Kauf unzufrieden bist, der Verkäufer das Produkt aber nicht zurücknimmst? Bei größeren Käufen kann es durchaus sinnvoll sein, über eine Versicherung nachzudenken. ROLAND Rechtsschutz bietet dir mit JurBuy die Möglichkeit, einen speziellen Kauf bei Ebay abzusichern – und das noch 24 Stunden, nachdem du eingekauft hast. Mehr zu JurBuy unter www.jurbuy.de/ebay/.

Fazit: Wenn ihr Weihnachtsgeschenke kauft, am besten direkt mitgucken, wann und wie lange ihr es umtauschen könnt. Oder einfach selbst basteln – hier traut sich niemand nach einem Umtausch zu fragen.

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Anne

Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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Kai Solmecke

Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

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