Barbara

Wenn sich der Hund los reißt…

Es ist ein klirrend kalter Tag. Aber das macht nichts, solche Tage liebe ich, um mit meinem Hund Anna eine Runde im Wald zu drehen. Besser als dieses feuchte Regenwetter, das uns die meisten Tage begleitet.

Also den Hund geschnappt, ins Auto verfrachtet und los geht’s zu „unserem“ Wald. Dort kann Anna rennen, es herrscht kein Leinenzwang und Hund und Frauchen sind glücklich. Anna pirscht sich ins Unterholz, buddelt sich durch Blätter und schaut ab und zu, ob Frauchen noch da ist. Und Frauchen hängt ihren Gedanken nach. In solchen Momenten habe ich immer die besten Ideen für meinen Hundeblog. Für uns ist die Welt also in Ordnung.

Ganz weit vorne sehe ich ein Paar laufen. Okay, ich rufe Anna zu mir und schau ihr in die Augen. Heute ist wieder einer dieser Tage, wo bei meiner Fellnase im Kopf ungeahnte Dinge ablaufen. Ich spreche da immer von Umbautagen, die Wege in ihrem Gehirn werden neu gepflastert, ich kann die Baustellenschilder fast deutlich sehen. Also mal lieber die Leine angelegt und den Hund ins „Fuß“ genommen.

Munter geht es weiter. Upps, Schuhband offen, das geht nicht, besonders nicht mit einem Hund an der Seite, der 60 kg wiegt und einen schon mal ins Straucheln bringen kann. Und als ich die Leine locker in nur eine Hand nehme und mich bücke, um das Schuhband neu zu knüpfen, passiert es. Mein Hund mit dem Kopf voller Baustellen sieht das Paar weiter vorne und denkt sich wahrscheinlich: „Toll, Menschen, alle Menschen mögen mich, da muss ich hin, da werde ich gestreichelt.“

Und schon hat Anna sich losgerissen und rast auf das Paar, ältere Menschen wie ich jetzt auch erkennen kann, zu. Mir rutscht das Herz in die Hose, leichte Panik bricht aus, ich hinterher.

Anna ist gottseidank allen Menschen gegenüber freundlich. Nur wissen das die alten Leute da vorne ja nicht. Aber beide verhalten sich goldrichtig. Bleiben ruhig stehen und ignorieren den Hund.

Endlich kann ich mein „Monster“ einfangen und habe die Leine wieder sicher in der Hand. Natürlich ist jetzt eine riesengroße Entschuldigung fällig, die Beiden sind aber ganz verständnisvoll. Man unterhält sich noch kurz und dann geht’s weiter. Mein Herz beruhigt sich langsam wieder.

Der Vorfall lässt mich den ganzen Tag nicht mehr los.

Was wäre passiert, wenn einer der beiden älteren Leute von Anna zu Fall gebracht worden wäre? Entweder weil der Hund sie wirklich angerempelt hätte oder auch nur weil sie sich erschreckt hätten? Kleidung wäre verschmutzt worden, im schlimmsten Fall hätten sich einer oder beide verletzt. Alptraumszenario. Inwieweit wäre ich da haftbar gewesen? Leinenpflicht besteht zwar dort nicht, aber muss ich nicht immer in jeder Situation meinen Hund unter Kontrolle haben?

Deine Pflichten als Hundehalter: Ein Kommentar von „Die RECHTschützer“

„Grundsätzlich haftet der Hundehalter für Rechtsgutverletzungen durch sein Tier. Allerdings kann  unter Umständen auch der Tieraufseher anstelle des Tierhalters haften”, weiß Kai Solmecke. „Tieraufseher ist derjenigen, der vom Tierhalter, die Führung der Aufsicht über das Tier durch einen Vertrag übertragen bekommen hat.” Das bedeutet konkret, dass du die Aufsichtspflicht beispielsweise auf einen Hundesitter übertragen kannst. Vor dem deutschen Gesetz handelt es sich bei Tieren um eine „Sache“.

Solltest du deinen Freund oder die Familie bitten, auf den Hund aufzupassen und übernehmen diese Personen die Betreuung aus Gefälligkeit, so haften sie allerdings nicht für Schäden, die der Hund verursacht. Diese sind nämlich nicht Tieraufseher im Sinne des Gesetzes. Tieraufseher sind nur diejenigen Personen, die die Betreuung auf Grundlage eines Vertrages übernehmen, wie beispielsweise Hundehotels oder Hundetagesstätten.

Wenn ein Hund sich losreißt und jemanden zu Fall bringt oder beispielsweise in den Straßenverkehr eingreift und einen Unfall verursacht, so ist der Hundehalter erst einmal in der Pflicht, jegliche Schäden zu ersetzen. Die entstandenen Schäden können von einfachen Sachschäden bis hin zu Personenschäden reichen. Verletzt sich jemand durch den Hund, so übernimmt die Krankenkasse des Opfers erst einmal die Heilbehandlung. Allerdings kann die Krankenkasse die Heilbehandlungskosten von dem Hundehalter zurückverlangen bzw. ihn in Regress nehmen. Ohne eine Absicherung durch eine Hundehaftpflichtversicherung  kann das in die tausende gehen. Bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden, die durch einen Hund verursacht worden, bei weitem mehr.

Der Hundehalter trifft eine Gefährdungshaftung, die von dem Tier ausgeht. Daher sollte man sich als Tierhalter immer mit dem passenden Versicherungsschutz versorgen.

Tipp zur Leinenpflicht:
Es gibt keine einheitliche Regelung zum Thema Leinenpflicht bei Hunden. Diese Regelung ist Ländersache und wird unterschiedlich gehandhabt. Daher kann es sein, dass es für NRW andere Regelungen gibt als wie bspw. für Bayern. Informiere dich daher entsprechend für dein Bundesland.

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Barbara

Barbara

Unsere Gastautorin Barbara ist eine tierverliebte Bloggerin aus dem schönen Münsterland. Hunde und Katzen begleiten sie schon ihr Leben lang. Und weil sie viele Geschichten über Hunde im Kopf versteckt, hat sie den Blog „Der Hundeblog“ ins Leben gerufen. Dort kannst Du mehr über Hunde und natürlich auch über Barbara erfahren. Und ihre tolle Boerboel Hündin Anna kennenlernen.

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Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

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