Hannah

Augen auf beim Gebrauchtwagen-Kauf

Vor einigen Wochen war es endlich so weit: Nach langer Zeit als treue Bahnfahrerin entschied ich mich, mein erstes eigenes Auto zu kaufen. Dass es ein Gebrauchtwagen werden sollte, stand ziemlich schnell fest. Schließlich hat der Kauf eines Gebrauchtwagens viele Vorteile, allen voran, dass man im Vergleich zum Neuwagen viel Geld sparen kann. Da ich bis dato noch ziemlicher Laie auf dem Gebiet war, kamen allerdings auch ziemlich viele Fragen auf: Wo sucht man am besten nach dem künftigen Gefährt – beim Händler oder bei einer Privatperson? Und was ist, wenn sich das vermeintlich attraktive Angebot als Fehlkauf entpuppt?

Wie ihr mit etwas Vorsicht und den richtigen Tricks ein Schnäppchen beim Gebrauchtwagenkauf machen könnt, erklären wir daher in den folgenden Wochen in einer Beitrags-Reihe mit Hilfe von Christian Teppe aus der Hamburger Kanzlei Teppe Rechtsanwälte.

Hier geht’s direkt zu Teil 2: Tipps für den Gebrauchtwagen-Kaufvertrag

GARANTIEANSPRÜCHE BEIM HÄNDLER

Die Auswahl scheint schier unbegrenzt: In allen Farben, Formen und Preisklassen gibt es auf dem Markt Gebrauchtwagen zu kaufen. Doch gerade als Laie hat man Angst, wichtige Mängel zu übersehen. Der Kauf bei einem Händler erscheint vielen daher die sicherere Variante – doch ist das wirklich so?

Rechtsanwalt Christian Teppe gibt den Tipp, dass man bei der Wahl des Händlers auf sein Bauchgefühl hören sollte: „Wenn das äußere Erscheinungsbild und das Verhalten des Händlers nicht stimmen, lässt man besser die Finger vom Auto. Auch wenn der Händler zum schnellen Kauf drängt oder wenig zum angebotenen Auto sagen kann, sollte man vorsichtig sein. Sicherheit in puncto Seriosität können Qualitätsnachweise wie die Bezeichnung ‚Markenvertragshändler‘ oder das unabhängige Siegel des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeugwettbewerbs (ZDK) bieten.“

Steht dann die Probefahrt an, gilt es noch etwas Wichtiges zu beachten: den Versicherungsschutz. Hat das Auto nämlich keinen Vollkaskoschutz, müsst ihr unter Umständen bei einem Auffahrunfall selbst für den Schaden aufkommen. Allerdings muss der Händler in so einem Fall vor der Probefahrt auf die Haftung hinweisen.

Der Kauf beim Händler hat laut Christian Teppe auf jeden Fall den Vorteil, dass man nicht nur Anspruch auf bis zu zwei Jahre Gewährleistung hat, sondern oft auch noch zusätzliche Garantieleistungen oder günstige Finanzierungsmöglichkeiten erhält. Denn der ausgeschriebene Preis beim Händler ist entgegen vieler Gerüchte nicht in Stein gemeißelt. Daher lohnt es sich, nochmal nachzuverhandeln. Häufig könnt ihr einen Nachlass oder einen Bonus in Form von hochwertigem Sonderzubehör aushandeln. Generell lässt sich sagen, dass ihr beim Gebrauchtwagenkauf folgenden Ablauf beachten solltet:

  • Besichtigung und Begutachtung des Fahrzeugs
  • Preisverhandlung (zum Beispiel Sonderausstattung)
  • Unterzeichnung des Kaufvertrags
  • Übernahme des Fahrzeugs
  • Zulassung

Nehmt euch bei diesen Schritten auf jeden Fall genügend Zeit und lasst euch nicht vom Händler unter Druck setzen.

SCHNÄPPCHEN BEIM PRIVATVERKÄUFER?

Allerdings hat der Kauf beim seriösen Händler häufig den Nachteil, dass man tiefer in die Tasche greifen muss. Schließlich bezahlt man auch für den Service und die Auswahl vor Ort. Beim Privatkäufer scheint die Chance daher größer zu sein, dass ich ein Schnäppchen machen kann. Doch Sicherheit in Form von Qualitätsnachweisen sucht man hier vergeblich. Wenn ich allerdings einen Auto-Experten zur Besichtigung beim Privatverkäufer mitnehme, sollte das doch klappen … Oder nicht? „Wer seinen Gebrauchtwagen von einer Privatperson kauft, kann möglicherweise einen günstigeren Preis erzielen. Dafür verzichtet man hier auf Garantie- und Gewährleistungsansprüche. Daher sollte man immer auf Nummer Sicher gehen und vor dem Kauf noch einen Experten hinzuziehen“, weiß Christian Teppe.

Die meisten Privatverkäufer versehen ihre Verträge vorsorglich mit der Klausel „gekauft, wie gesehen“. Heißt das nun, dass ich jeden Mangel hinnehmen muss, auch wenn dieser vertuscht wurde? Von Rechtsanwalt Teppe gibt es hierzu ein klares Nein: „Wird ein Auto gekauft wie gesehen, dann wird nur die Gewährleistung für offensichtliche Mängel ausgeschlossen. Der Verkäufer haftet also nicht für Mängel, die ein durchschnittlicher Käufer bei einer ordnungsgemäßen Untersuchung des Fahrzeugs erkennen kann. Versteckte Mängel zählen hier allerdings nicht dazu und rechtfertigen damit eine Gewährleistungshaftung oder Anfechtung wegen arglistiger Täuschung.“ Im konkreten Fall bedeutet das, dass der Verkäufer beispielsweise für Kratzer oder Beulen nicht haftet – schließlich hatte der Käufer die Möglichkeit, diese Mängel selber zu erkennen. Das gilt übrigens auch, wenn der Käufer das Auto gar nicht untersucht hat. Stellt man allerdings nach dem Kauf fest, dass das Auto zum Beispiel ein Unfallwagen ist und dies vertuscht wurde, habt ihr als Käufer das Recht, den Kaufvertrag anzufechten.

DAS TRAUMAUTO IM INTERNET FINDEN

Um einen Überblick über das Angebot auf dem Markt zu erhalten, bieten sich Online-Börsen für Gebrauchtwagen an. Die bequeme Suche vom Sofa ist deutlich zeitsparender, als von einem Autohaus zum nächsten zu düsen. Doch gibt es rechtliche Gefahren, die im Internet lauern können? „Grundsätzlich besteht kein Unterschied zu einem Kauf vom Händler oder von einer Privatperson. Sie haben die gleichen Rechte wie beim normalen Kauf“, sagt Christian Teppe. Allerdings sollte man vor dem Kauf eine Fahrzeugbewertung durchführen lassen, um den aktuellen Marktpreis zu kennen. Hierzu könnt ihr einfach gleichwertige Angebote vergleichen. Christian Teppe hat noch einen weiteren Tipp: „Am besten druckt man sich das Online-Angebot aus, damit man den versprochenen Zustand des Autos schwarz auf weiß hat, auch wenn der Anbieter das Angebot bereits gelöscht hat.“

Allerdings bleibt beim Kauf im Internet immer eine gewisse Skepsis, ob man nicht versehentlich mit nur einem Klick einen Vertrag abschließt, obwohl man eigentlich nur schauen wollte. Aber auch hier beruhigt Christian Teppe: „In den meisten Fällen handelt es sich lediglich um eine werbende Anpreisung – ähnlich wie die Ausstellung von Waren in einem Schaufenster.“ Kaufverträge werden daher meist nicht abgeschlossen. Sollte der Kauf doch schon online und „per Mausklick“ erfolgen, muss der Verkäufer dies explizit kenntlich machen.

Zusammenfassend stellen wir also fest: Beim Händler hat man Anspruch auf bis zu zwei Jahre Gewährleistung und Garantieleistungen. Beim Kauf von einer Privatperson kann man jedoch häufig Schnäppchen machen. Generell gilt jedoch: Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf. In unserem nächsten Beitrag erklären wir euch, was ihr beim Abschluss des Kaufvertrags beachten solltet.

 

Teile diesen Beitrag


0 Bewertungen / Durchschnitt: 0 von 5 Sternen

Die Rechtschützer

Dein Team für alle Rechtsfragen im Alltag

Hannah

Hannah

Am liebsten wäre es ihr, wenn das ganze Jahr die Sonne scheinen würde. Da es hierfür leider in Deutschland noch kein Gesetz gibt, treibt sie sich gerne mal auf der anderen Seite der Erde herum.

Blogbeiträge von Hannah

Unser Partneranwalt

Das kompetente Fachanwälte-Netzwerk

Christian Teppe

Christian Teppe ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Agrarrecht. Er hat sich zudem auf die Bereiche Zivilrecht, Grundstücksrecht, Erbrecht sowie Bußgeld-/Ordnungswidrigkeitenrecht spezialisiert. Seine Kanzlei Teppe Rechtsanwälte ist an den Standorten Hamburg, Uelzen und Winsen (Luhe) vertreten.

Bisherige Kommentare (0)