Julia

Bei Rot über die Ampel – welche Konsequenzen drohen?

 

 

Schon oft habe ich mich gefragt, wie viele Stunden meines Lebens ich eigentlich schon an der Riesen-Kreuzung vor dem ROLAND-Hauptgebäude damit verbracht habe, darauf zu warten, dass die Ampel von Rot auf Grün springt. Egal, welchen Weg ich nehme: Vier Ampeln muss ich überqueren. Und immer wenn ich denke, ich hätte die Ampelschaltung nun durchschaut, um am schnellsten zum Ziel zu kommen, stehe ich schon wieder! Gerade, wenn ich nur noch eine Straße überqueren muss und es nur noch wenige Meter zum rettenden Ufer sind, ist die Versuchung schon groß, mal eben schnell die rote Ampel zu überqueren… Natürlich sollte man das nicht tun! Denn wie wir bereits im Kindergarten gelernt haben: „Bei Rot bleibst du stehen, bei Grün darfst du gehen.“ Trotzdem ist die Verlockung, bei Rot über die Ampel zu gehen, nunmal vorhanden – gerade in der Alltagshektik. Grund genug, einmal bei Rechtsanwalt Kai Solmecke nachzufragen, welche Folgen dieser sogenannte Rotlichtverstoß für Fußgänger, Fahrrad-und Autofahrer haben kann.

BEI ROT ÜBER DIE AMPEL: FÜR ALLE GIBT ES STRAFEN

Egal, ob fahrend, rollend oder gehend – wer bei einer roten Ampel die Fahrbahn überquert, der hat mit Sanktionen zu rechnen. „Ignorieren Sie als Fußgänger das Warnsignal, wird ein Bußgeld in Höhe von fünf Euro fällig“, klärt Kai Solmecke auf. Der Rechtsanwalt fügt hinzu: „Sind Sie dann auch noch als Fußgänger in einen Unfall verwickelt, erhöht sich die Strafe auf zehn Euro.“ Wesentlich drastischer wird es übrigens, wenn man als Fahrradfahrer die rote Ampel überfährt. „Dann drohen Bußgelder zwischen 60 und 180 Euro plus einen Punkt in Flensburg.” Je mehr Räder das eigene Fortbewegungsmittel hat, desto teurer wird das Überfahren und Missachten einer roten Ampel. Das Strafmaß kann hierbei ganz unterschiedlich ausfallen: „Zwischen 90 und 360 Euro bis hin zu Fahrverbot und Freiheitsstrafe ist alles möglich“, so der Jurist.

Bei der Höhe des Strafmaßes spielt es jedoch auch eine Rolle, ob du dich noch in der Probezeit befindest oder nicht. „Überfährt ein Fahranfänger innerhalb seiner Probezeit eine rote Ampel, handelt es sich hierbei um einen A-Verstoß der Kategorie Verkehrsordnungswidrigkeit“, erklärt Kai Solmecke. Ein solcher Verstoß wird als schwerwiegendes Vergehen im Straßenverkehr angesehen und ebenso bestraft. „In den meisten Fällen bekommt der Fahranfänger dann dieselbe Anzahl an Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg  wie ein erfahrener Autofahrer – mit dem einzigen Unterschied, dass der Fahranfänger seine Punkte nicht abbauen kann.“

Weitere Angaben findest du auch im aktuellen Bußgeldkatalog.

ROT IST NICHT GLEICH ROT

„Das war jetzt aber dunkelgelb.“ Diesen Satz hat der eine oder andere bestimmt schon einmal von seinem Beifahrer gehört. Stellt sich die Frage: Macht es rechtlich einen Unterschied, wie lange die Ampel schon rot war? Oder gilt in jedem Falle „Rot ist Rot“? „Wer bei Rot über die Ampel fährt, riskiert es in jedem Fall eine Strafe zu bekommen und sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Entscheidend für die Höhe des Strafmaßes ist jedoch auch, wie lange die Ampel schon Rot anzeigt“, so Anwalt Solmecke. Unterschieden werde hierbei zwischen einem einfachen Rotlichtverstoß und einem qualifizierten Rotlichtverstoß. „Ein einfacher Rotlichtverstoß liegt vor, wenn man bei Rot über die Ampel fährt, die seit weniger als einer Sekunde Rot anzeigt“, informiert der Jurist. „Wenn die Ampel allerdings bereits länger als eine Sekunde rotes Licht signalisiert oder andere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet werden, spricht man von einem qualifizierten Rotlichtverstoß“, so Kai Solmecke weiter. Bei einem solchen Verstoß droht neben einer Geldbuße und Punkten in Flensburg auch noch ein Fahrverbot.“

Aber woher weißt du jetzt, ob die Ampel seit unter oder über einer Sekunde Rot anzeigt? Ein Beispiel, um den Unterschied deutlich zu machen: „Wer die Länge der Gelb-Phase überschätzt hat und beim Umschalten von Gelb auf Rot die Kreuzung überquert, begeht einen einfachen Rotlichtverstoß. Ist die Ampel jedoch schon rot, während man sich auf sie zubewegt und fährt dann trotzdem über die Kreuzung, handelt es sich eindeutig um einen qualifizierten Rotlichtverstoß.“

ROTLICHTVERSTOSS KANN SOGAR EINE STRAFTAT SEIN

Wer bei Rot über die Ampel fährt und dabei andere Verkehrsteilnehmer oder fremdes Eigentum, wie beispielsweise parkende Autos, gefährdet oder einen Sachschaden verursacht, geht die Gefahr ein, aus einem Rotlichtverstoß eine Straftat zu machen. „Zeigt der Autofahrer ein besonders rücksichtsloses Verhalten, indem er Menschen oder Sachen von besonderem Wert gefährdet, muss er sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen“, gibt der Anwalt zu bedenken.

ALS FUSSGÄNGER DEN FÜHRERSCHEIN VERLIEREN

Übrigens: Auch Fußgänger müssen bei Vergehen im Straßenverkehr mit drastischen Strafen rechnen. „Sie können sogar den Führerschein verlieren – selbst dann, wenn sie gar nicht mit dem Auto unterwegs sind“, erklärt Kai Solmecke. Wer zu Fuß beispielsweise stark alkoholisiert auffällig wird und dann kein medizinisch-psychologisches Gutachten vorlegen kann oder will, muss sich unter Umständen auf einen längeren Fußmarsch einstellen. „Denn dann muss die Verkehrsbehörde davon ausgehen, dass derjenige nicht in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu bewegen, das einen gültigen Führerschein voraussetzt”, so der Anwalt. Und weg ist der Lappen!

Nach der Recherche für diesen Artikel steht für mich fest: In Anbetracht der möglichen Strafen, die mir in Form von Bußgeld, Fahrverbot und Punkten drohen könnten, wenn ich das Warnsignal der Ampel ignoriere, bleibe ich lieber stehen und übe mich beim Warten an der roten Ampel zukünftig etwas in Gelassenheit.

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Auch wenn Julia mal wieder von Dingen der Unmöglichkeit träumt, hält sie im Büro das Gleichgewicht. Grund dafür ist vermutlich ihre äußerst ausgewogene Ernährung, für die ihre Kollegen sorgen.

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Kai Solmecke

Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

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