Marcus Creutz

Booking.com darf illoyale Vertragshotels zur Ordnung rufen

Ein Internetbuchungsportal kann Hotelbetreiber verpflichten, Hotelzimmer auf der eigenen Internetseite nicht günstiger anzubieten als auf der Portalseite. Dies hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden und zugleich einen entgegenstehenden Beschluss des Bundeskartellamts gekippt.

Konsequenz für Verbraucher: Buchen sie ein Zimmer über Booking.com, brauchen sie nicht mehr die Internetseite des Hotels in der Hoffnung besuchen, dort einen günstigeren Hotelpreis für die entsprechende Unterkunft zu finden. Dagegen ist es durchaus möglich, dass das Hotelzimmer auf anderen Buchungsportalen günstiger angeboten wird.

Der Fall:

Im konkreten Fall ging es um das Internetportal Booking.com. Dieses vermittelt Hotelunternehmen gegen Zahlung einer Vermittlungsgebühr Hotelkunden. Die Kunden können Hotelzimmer unmittelbar über die Portalseite zu den jeweils aktuellen Preisen buchen. Der Provisionsanspruch des Portalbetreibers entsteht, wenn der Kunde über das Hotelportal – und nicht direkt beim Hotel – bucht.

Ursprünglich hatte Bookung.com seine Vertragshotels generell dazu verpflichten wollen, ihre Zimmer exklusiv bei Booking.com zum günstigsten Preis anzubieten. Doch das hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf bereits 2015 verboten. Daraufhin modifizierten die Betreiber ihre Praxis und verpflichteten die Hotels nur noch, ihre Zimmer auf den eigenen Internetseiten nicht günstiger anzubieten als bei Booking.com. Doch auch solche „engen” Bestpreisklauseln untersagte das Bundeskartellamt.

Das Urteil:

Dass die modifizierten Bestpreisklauseln aber zulässig sind und verwendet werden dürfen, hat nun das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden (Az.: VI – Kart 2/16 V). Er stützt sich dabei auf das Ergebnis einer vom Gericht veranlassten Hotel- und Kundenbefragung. Die Klauseln sind nicht wettbewerbsbeschränkend, sondern notwendig, um einen fairen und ausgewogenen Leistungsaustausch zwischen den Portalbetreibern und den vertragsgebundenen Hotels zu gewährleisten. „Das Buchungsportal darf mit solchen Klauseln Vorkehrungen gegen ein illoyales Umlenken von Kundenbuchungen treffen und verhindern, dass Kunden, die sich unter Inanspruchnahme der Hotelportalseite für das betreffende Hotel entschieden haben, durch niedrigere Zimmerpreise oder bessere Vertragskonditionen von der Buchungsseite des Portalbetreibers auf die Hotelseite umgelenkt werden“, betonten die Düsseldorfer Richter.