Anne

Reisebuchung – deine Rechte und was du beachten solltest

Im November stand das lange erwartete Wochenende mit meinen Freundinnen in Hamburg an. Da wir mittlerweile ziemlich verteilt in Deutschland wohnen, wollte meine Freundin Katharina mit dem Flugzeug aus München kommen. Allerdings machte uns die Air-Berlin-Pleite einen Strich durch die Rechnung. Denn ihr Flug wurde gecancelt. Was sollten wir also jetzt tun? Bei einem anderen Anbieter buchen? Oder erst einmal abwarten? Welche Rechte ihr in solchen Fällen habt und was ihr außerdem bei der Reisebuchung beachten solltet, weiß Rechtsanwalt Kai Solmecke von der Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte.

Individualreisen: flexibel, aber auch risikoreicher

Wir haben unseren Flug auf eigene Faust und nicht über einen Reiseveranstalter gebucht.

Dadurch entstand bereits das erste Problem, wie Kai Solmecke erklärt: „Zwar hat man bei sogenannten Individualreisen den Vorteil, dass man sich den Traumurlaub flexibel zusammenstellen kann, allerdings müssen rechtliche Ansprüche immer direkt beim jeweiligen Vertragspartner geltend gemacht werden.“ So auch im Falle einer Insolvenz wie bei Air Berlin. „Betroffene können ihre Forderungen zwar beim Insolvenzverwalter anmelden, haben aber gegenüber größeren Gläubigern häufig das Nachsehen.“

Weiterhin kann es gerade bei Auslandsbuchungen schwierig werden, seine Rechtsansprüche durchzusetzen. Denn in diesen Fällen ist das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden. Und: „Individualreisende haben im Gegensatz zu Pauschalreisenden kein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt. So ist der Kunde auf die Kulanz des Vertragspartners angewiesen, wenn er die Reise beispielsweise aufgrund einer Naturkatastrophe nicht antreten kann oder will“, so der Anwalt.

Pauschalreisen im Internet: beim Veranstalter genau hinsehen

Pauschalreisen bieten Kunden insgesamt mehr Sicherheit. Allerdings solltet ihr genau hinschauen, bei welchem Reiseveranstalter ihr bucht. Überzeugt euch unbedingt davon, ob dieser seriös ist. Merkmale können beispielsweise sein, wie lange der Veranstalter am Markt ist und ob er einen Sitz in Deutschland hat. Auch hier gilt, dass es im Ausland oft deutlich schwieriger ist, sein Recht einzuklagen.

Allerdings kann es auch bei Pauschalreisen vorkommen, dass der Anbieter insolvent wird – wie beispielsweise JT Touristik im vergangenen Jahr. Hier schützt euch ein Sicherungsschein: „Dieser sichert dem Reisenden zu, dass ihm der volle Reisepreis und die notwendigen Kosten für die Rückreise erstattet werden, falls der Reiseveranstalter Konkurs anmeldet oder zahlungsunfähig wird. Achten Sie in jedem Fall bei der Buchung darauf, dass Sie einen Sicherungsschein erhalten“, rät Kai Solmecke. „Falls nicht, können Sie von Ihrer Buchung kostenlos zurücktreten.“

Beratung im Reisebüro: auf das Schriftliche achten

Statt selbst die Reiseplattformen und -suchmaschinen zu durchforsten, wählen viele Urlaubssuchende die komfortable Beratung im Reisebüro. Hier habt ihr nicht nur den Vorteil, dass ihr viel Zeit spart, sondern profitiert auch von den Erfahrungen der Mitarbeiter. Jedoch solltet ihr eure Reiseunterlagen auch bei der Reisebuchung im Reisebüro genau durchlesen: „Prüfen Sie in der Buchungsbestätigung, ob das Reisebüro Ihre Wünsche korrekt im Reiseanmeldungsformular aufgenommen hat. So können Sie eventuelle Fehler sofort beanstanden“, empfiehlt Kai Solmecke. „Bestimmte Erklärungen und Zusicherungen des Reisebüros – beispielsweise, Ihnen das günstigste Angebot für die gewünschte Leistung zu vermitteln – sollten Sie sich zudem schriftlich geben lassen.“ Denn obwohl das Reisebüro für Beratungs- und Vermittlungsfehler haftet, müsst ihr beweisen, welche Wünsche euch zugesichert und nicht erfüllt wurden.

Reiserücktrittsversicherung: absichern vor Stornokosten

Habt ihr das passende Angebot gefunden, ist es ratsam, bei der Reisebuchung eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Denn ob Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit – unerwartete Faktoren können immer dafür sorgen, dass man die Reise nicht antreten kann. „Im Vertrag zur Urlaubsreise steht, zu welchen Bedingungen die Reise storniert werden kann. Dabei gilt: Je näher das Datum der Abreise rückt, desto weniger Geld erhält man zurück. Ab einem bestimmten Zeitpunkt erstattet der Reiseveranstalter keine Kosten mehr. Eine Reiserücktrittsversicherung trägt dann meist die Stornokosten“, erläutert Kai Solmecke. Eine Stornierung müsst ihr unverzüglich dem Versicherer und dem Reiseveranstalter melden. Doch auch wenn ihr keine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen habt, solltet ihr dem Veranstalter direkt Bescheid geben. Je nachdem, wie lange es noch bis zum Reisebeginn dauert, bekommt ihr unter Umständen noch einen Teil des Reisepreises zurück erstattet.

Reiseabbruchversicherung: gut abgesichert in den Urlaub

Nicht nur vor, sondern auch während des Urlaubs könnt ihr euch noch rechtlich absichern. Eine Reiseabbruchversicherung hilft bei einem vorzeitigen Ende des Urlaubs. „Diese können Reisende bis unmittelbar vor der Abreise abschließen. Neben Hotelkosten und verpassten Ausflügen ist bei vielen Versicherungen auch der vorzeitige Rückflug abgesichert. Klassische Gründe für einen Reiseabbruch sind Krankheit oder auch eine Naturkatastrophe am Urlaubsort“, erläutert Rechtsanwalt Kai Solmecke.

Übrigens: Nach vereinter Suche konnten wir doch noch ein bezahlbares Bahnticket für meine Freundin finden – und wie geplant Hamburg unsicher machen …

Hier erfahrt Ihr zudem alles rund ums Thema Dienstreise.

Teile diesen Beitrag


0 Bewertungen / Durchschnitt: 0 von 5 Sternen

Die Rechtschützer

Dein Team für alle Rechtsfragen im Alltag

Anne

Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

Blogbeiträge von Anne

Unser Partneranwalt

Das kompetente Fachanwälte-Netzwerk

Kai Solmecke

Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

Bisherige Kommentare (0)