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Urlaubsfrust statt Reiselust – Rechtstipps bei Reisemängeln

 

 

 

 

 

 

Wie wohl jeder freue ich mich meist schon Monate vor dem Urlaub auf ein paar schöne Tage. Was mich jedoch nervt, ist die Ungewissheit vor der Reise: Wird der Flieger pünktlich starten? Ist das Hotel wirklich so schön, wie es auf der Internetseite aussah? Erst wenn ich am Ziel angekommen bin und alles meinen Erwartungen entspricht, fängt bei mir der Urlaub an. Denn wie oft hört man von Flugverspätungen, Überbuchungen und unsäglichen Unterkünften? Was können Reisende in diesen Fällen tun, wo sollte man Mängel reklamieren und welche Frist muss ich einhalten, wenn ich mein Geld zurück haben möchte? Zusammen mit dem Rechtsanwalt und Spezialisten für Reiserecht Oliver Titze erkläre ich dir deine Rechte bei Reisemängeln.

Frust am Flughafen – wenn der Flug verspätet startet

Hebt das Flugzeug verspätet ab, startet der Urlaub schon frustrierend. Die gute Nachricht: Ab drei Stunden Flugverspätung steht dir eine Entschädigung zu. In der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 ist dies wie folgt geregelt:

  • 250 Euro bei einer Entfernung bis 1.500 Kilometer
  • 400 Euro bei einer Entfernung zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer und
  • 600 Euro bei einer Entfernung über 3.500 Kilometer (außerhalb der EU).

„Dies gilt auch bei Nicht-EU-Fluglinien – sofern der Abflugort innerhalb der EU liegt“, erklärt der Rechtsexperte. Außerdem gibt es mit dem Montrealer Übereinkommen eine Art weltweiten Mindeststandard an Passagierrechten. Dieses Abkommen haben fast alle Länder unterzeichnet. Allerdings sind Ansprüche nach dem Montrealer Übereinkommen – anders als nach der EU-VO 261/2004 – oft an sehr kurze Fristen gebunden.

Bei Anschlussflügen wird es etwas komplizierter, so der Anwalt: „Anschlussflüge innerhalb der EU werden Direktflügen gleichgestellt. Der Anspruch auf Entschädigung hängt davon ab, ob die Flugreise von mehreren Airlines durchgeführt wurde und es Zwischenstopps innerhalb und außerhalb der EU gibt.“ In Betracht kommen bei einem verpassten Anschlussflug aufgrund einer Flugverspätung ebenfalls die oben genannten Entschädigungsleistungen sowie Verpflegungskosten. Diese richtet sich ebenfalls nach der EU-Verordnung 261/2004.

Und was ist, wenn du wegen eines verspäteten Flugs deine Kreuzfahrt nicht antreten kannst? „Dann muss der Reiseveranstalter für den entstandenen Schaden aufkommen“, weiß Oliver Titze. Dies gilt auch für Hotelurlaube, die infolge der Verspätung nicht zum gebuchten Termin angetreten werden können. Dies ist ebenfalls im Montrealer Übereinkommen geregelt.

Maulende Mitarbeiter – wenn das Personal wild streikt

Anders stellt sich die Situation bei höherer Gewalt dar. Verspäten sich Flüge aufgrund eines Vulkanausbruchs, Sturms, aber auch Streiks oder fallen sie ganz aus, haften Fluggesellschaften grundsätzlich nicht. „In einem aktuellen Urteil vom 17. April 2018 hat der EuGH jedoch eine Ausgleichszahlung nach Flugausfall trotz ,wilden Streiks‘ des eigenen Flugpersonals bejaht. Der EuGH sieht bei einem ‚wilden Streik‘ keinen außergewöhnlichen Umstand“, erklärt der Rechtsanwalt. Ein „wilder Streik“ folgt keinem Aufruf der Arbeitnehmervertreter. Vielmehr meldeten sich die Mitarbeiter in dem konkreten Fall, der vor dem EuGH verhandelt wurde, spontan krank, nachdem ein Luftfahrtunternehmen überraschend Umstrukturierungspläne angekündigt hatte.

Leere am Laufband – wenn das Gepäck nicht mitkommt

Der Horror eines jeden Flugreisenden: Man steht am Gepäckband und tausend Koffer kommen an einem vorbei – nur der eigene ist nicht dabei. Was tun, wenn das Gepäck nicht mitkommt? „Der Gepäckverlust ist umgehend am Gepäckschalter des Flughafens sowie der entsprechenden Airline zu melden. Hier muss ein Verlustprotokoll ausgefüllt werden“, erklärt Oliver Titze. Wichtig: Du solltest das Flugticket und alle Quittungen für Ersatzkleidung und andere wichtige Utensilien aufbewahren. Denn diese musst du der Airline oder dem Reiseveranstalter vorlegen, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Wie hoch dein Anspruch auf Schadenersatz ist, richtet sich nach dem Montrealer Übereinkommen. Geht das Gepäck bereits auf der Anreise verloren, können Urlauber beim Reiseveranstalter auch eine Minderung des Reisepreises beanspruchen.

Voller Flieger – wenn das Flugzeug überbucht ist

Es kommt immer wieder vor: Am Flughafen warten mehr Passagiere auf den Flug als Sitzplätze vorhanden sind. Finden sich bei einer Überbuchung des Flugs Freiwillige, die stattdessen einen späteren Flug wählen, ist das Problem meist schnell aus der Welt geschafft. Diese erhalten dann als Entschädigung von der Fluggesellschaft zusätzliche Extras, wie etwa Bargeldzahlungen, besondere Bordmenüs, ein Upgrade in die nächst höhere Klasse, Verpflegung am Flughafen oder Hotelaufenthalte, falls der nächste Flug erst am Folgetag erfolgt. Auch die Erstattung des Ticketpreises ist möglich. „Sofern sich keine Freiwilligen finden, wählt die Fluggesellschaft aus, wer mitkommt“, erklärt Oliver Titze. „Bevorzugt werden grundsätzlich mobilitätseingeschränkte Personen sowie deren Mitreisenden, Familien mit Kindern oder Vielflieger, also Stammgäste der Airline.“ Für die zurückgelassenen Fluggäste gelten dann wiederum die Entschädigungsleistungen gemäß der EU-Verordnung 261/2004.

Überfüllte Unterkunft – wenn das Hotel kein Bett mehr frei hat

Auch wenn das gebuchte Hotel überbucht ist, können Reisende den Preis mindern und/oder Schadenersatz verlangen. Der Veranstalter mindert den Reisepreis je nach Einzelfall. Verschiedene Institutionen geben regelmäßig eine Tabelle heraus, wie verschiedene Urteile die Reisepreisminderung bewertet haben. Ein Beispiel ist die Frankfurter Tabelle. „Diese Übersicht dient als erste Orientierungshilfe, um auszuloten, was den Preis mindern kann und was als allgemeines Lebensrisiko gilt,“, so Oliver Titze. Also als Risiko, dem der Mensch von Natur aus ausgesetzt ist und für das Reiseveranstalter oder Hotels nicht haften. „Wer die Chancen auf einen finanziellen Ausgleich für den verpfuschten Urlaub klären möchte, holt am besten rechtlichen Rat ein.“

Horror-Hotel – wenn aus dem Traumhotel ein Albtraum wird

Wenn es statt der im Reiseprospekt versprochenen großen Poollandschaft nur ein kleines, dreckiges Schwimmbecken gibt, ist der Frust meist groß. Doch Mängel wie diese sollte kein Urlauber hinnehmen. Denn bei der Buchung der Reise schließt du einen Reisevertrag mit dem Reiseveranstalter oder dem Hotel über die mit dem Aufenthalt verbundenen Leistungen ab. Daher kannst du Leistungen beanstanden, die von den vereinbarten abweichen. „Weicht beispielsweise die Quadratmeterzah des Hotelzimmres von der im Prospekt ab oder findet der Urlauber dort Schimmel vor, kann er dies beanstanden“, erläutert Oliver Titze. „Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter für sämtliche Mängel der Reise verantwortlich, an ihn sollten sich betroffene Reisende im Mangelfall wenden.“ Zum Beispiel an die Reiseleitung vor Ort.

Reisemängel reklamieren – wenn der Reisepreis gemindert werden soll

Um den Reisepreis zu mindern, solltest du den Veranstalter umgehend vor Ort auf Mängel aufmerksam machen. Denn: Betroffene Reisende werden pro Urlaubstag entschädigt. „Zeigt man einen Mangel erst am siebten Tag an, obwohl er schon am ersten Tag bemerkt wurde, besteht kein Anspruch auf Entschädigung für die ersten sechs Tage“, erklärt Oliver Titze. Nach der Reise sind die Mängel gegenüber dem Reiseveranstalter innerhalb eines Monats erneut schriftlich anzuzeigen. Nach Ablauf dieser Frist kannst du in der Regel keine Ansprüche mehr durchsetzen. Das gilt für Buchungen bis zum 30. Juni 2018. Für Buchungen ab 1. Juli gilt ein neues Pauschalreiserecht, bei dem zum Beispiel größere Preisänderungen möglich sind, dafür aber die Ein-Monats-Meldefrist entfällt.

Wichtig: Im Einzelfall sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Reiseveranstalters oder des Hotels entscheidend – hier können andere Fristen gelten. Der Rechtsanwalt empfiehlt zudem, Mängel genau zu dokumentieren und zu beschreiben: „Fotos und detaillierte Informationen zur Dauer und zum Umfang der Mängel helfen vor Gericht, etwaige Ansprüche durchzusetzen. Auch die Aussagen von Dritten sind hilfreich. Enttäuschte Reisende sollten sich also die Namen möglicher unabhängiger Zeugen notieren.“

Auch hier dient die Frankfurter Tabelle als Orientierung für die Preisminderung. Ein paar Beispiele:

  • Fehlender Meerblick (wenn zugesagt): 5 – 10 Prozent
  • Verschmutzter Strand: 10 – 20 Prozent
  • Schlechtes Essen: 5 – 30 Prozent
  • Lärm in der Nacht: 10 – 40 Prozent
  • Ungeziefer: 10 – 50 Prozent

Fest steht: Im Mangelfall haben Reisende das Recht auf einen geminderten Reisepreis. Einen Gutschein musst du nicht akzeptieren!

Dreiste Diebe – wenn Wertsachen verschwinden

Wenn Wertsachen aus dem Hotelzimmer gestohlen werden, stellt dies grundsätzlich keinen Reisemangel dar, sondern gilt als allgemeines Lebensrisiko. Das heißt, du bist selbst für dein Gepäck verantwortlich. Dennoch solltest du den Diebstahl unverzüglich gegenüber der Rezeption bzw. dem Reiseveranstalter anzeigen und einer gegebenenfalls bestehenden Hausratversicherung melden. Auch eine Reisegepäckversicherung kann einen Teil des Schadens übernehmen. Allerdings sollten Reisende die Versicherungsbedingungen genau beachten. Oliver Titze erklärt: „Den Versicherten trifft eine Schadenminderungspflicht. Wer Schmuck oder andere Wertsachen offen im Zimmer liegen lässt, anstatt sie im Hotel-Safe aufzubewahren, kommt dieser nicht nach. Damit verringert sich sein Anspruch auf Erstattung oder entfällt sogar.“

Beginnt der Urlaub verspätet oder entspricht das Hotel nicht den Erwartungen, ist der Ärger meist groß. Doch mit diesen Tipps können Urlauber bei Reisemängeln zumindest eine Entschädigung für die vertane Urlaubszeit verlangen.

Außerdem interessant: Alles zum Thema Reisebuchung.

 

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Anne

Sie liebt Schokolade und ihre Heimatstadt Kevelaer am Niederrhein – was sie gerne auch kundtut. Zu ihrem Glück fehlt ihr eigentlich nur eine Horde Heinzelmännchen, die für sie den Haushalt schmeißen. Damit sie sich auf das konzentrieren kann, was wirklich Freude macht.

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Oliver Titze

Oliver Titze ist Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Winter Rechtsanwälte in Overath. Er ist Fachanwalt für Verkehrs- sowie für Steuerrecht. Weitere Fachgebiete sind Reiserecht, Kaufrecht sowie (Verkehrs-)Strafrecht. Die Kanzlei Winter Rechtsanwälte hat ihren Sitz in Bergisch-Gladbach, Overath und Köln.

Bisherige Kommentare (1)

  • Avatar

    FW

    Und ich dachte Sie würden eine Alb—Traumreise anbieten.
    Schade