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Älteres Pärchen macht sich Gedanken über sein Erbe.

Erbe: Das solltest du wissen!

Leben & Freizeit

Ich selbst habe glücklicherweise noch keine Erfahrungen mit dem Thema Erbe machen müssen. Doch im Bekanntenkreis habe ich schon einige – traurige – Geschichten gehört. Ein Todesfall in der Familie ist allein schon schlimm genug. Doch wenn unter den Angehörigen im Nachhinein auch noch Streit um den Nachlass ausbricht, setzt es der Traurigkeit noch ein Krönchen obendrauf.

Dabei geht es oft gar nicht um Habgier. Viel häufiger sind Missverständnisse und unklar formulierte Testamente der Grund für den Konflikt. Diese Erfahrungen macht Rechtsanwältin Karen Baas als Fachanwältin für Erbrecht beinahe täglich. Sie weiß auch, wie wichtig es ist, seinen Nachlass zu Lebzeiten zu klären – auch, wenn man sich mit solchen Themen rund ums Erbrecht nur ungern beschäftigt. Wir geben an dieser Stelle einmal Klarheit über die gesetzliche Erbfolge und darüber, was man bei einem Testament beachten muss – damit dein Familienfrieden hoffentlich gewahrt bleibt.

Gesetzliche Erbfolge: Wer bekommt was?

Sicher hast du schon einmal von der sogenannten gesetzlichen Erbfolge gehört? Sie regelt nach deutschem Erbrecht automatisch deinen Nachlass, wenn du vor deinem Tod keine anderen Maßnahmen ergriffen hast, wie zum Beispiel mit einem Testament. Diese Erbfolge folgt ganz genauen Bestimmungen. Wer überhaupt und wie viel vererbt bzw. erbt, hängt vom Familienstand und Grad der Verwandtschaft ab.

Rechtsanwältin Karen Baas erklärt, wie die gesetzliche Erbfolge aussieht:

„Ist der Erblasser, also die verstorbene Person, im gesetzlichen Güterstand verheiratet und hat zwei Kinder, erbt der Ehepartner die Hälfte, die beiden Kinder jeweils ein Viertel des Vermögens. Ist eines oder sind beide der Kinder bereits vorher verstorben, erben automatisch die Enkelkinder die Anteile.

Bei Unverheirateten sieht es so aus, dass die Kinder zu gleichen Teilen das gesamte Vermögen erben. Als unverheirateter Lebensgefährte hast du keine gesetzlichen Ansprüche (und auch keine Pflichtteilsansprüche) im Todesfall deines Partners. Eventuelle Ansprüche eines Lebensgefährten sind nur durch ein Testament oder einen Erbvertrag vor dem Tod regelbar. Pflichtteilsansprüche gibt es für den Lebensgefährten nicht.“

Was viele nicht wissen: „Stirbt ein kinderloser Ehepartner, dessen Eltern noch leben, erbt der überlebende Ehegatte drei Viertel, das übrige Viertel des Vermögens die Eltern. In der Praxis gehen einige davon aus, dass der Ehepartner im Todesfall automatisch das gesamte Vermögen erbt. Dem ist nach der gesetzlichen Erbfolge aber nicht so“, erklärt die Anwältin. „Sind die Eltern des kinderlosen Ehepaares auch verstorben, erben die Geschwister an deren Stelle.“

Gut zu wissen bei Ehepaaren: Erbt ein Ehepartner, fließt dieses Vermögen nicht mit in die gesetzliche Zugewinngemeinschaft !

Schulden des Erblassers: Musst du die übernehmen?

Wer erbt, kommt nicht immer zu einem beträchtlichen Reichtum. Denn auch Schulden können weitervererbt werden! „Im deutschen Erbrecht gilt der Grundsatz der „Universalsukzession“, das heißt, der Nachlass kann nur als Ganzes auf den Erben übergehen“, so Rechtsanwältin Karen Baas. Sind also Schulden Bestandteil der Erbschaft, werden diese mit vererbt.

Doch was ist, wenn du den Nachlass nicht übernehmen möchtest, insbesondere die Schulden? „Es gibt die Möglichkeit, die Erbschaft auszuschlagen“, sagt die ROLAND-Partneranwältin. „Allerdings ist die Ausschlagung auch nur auf den gesamten Nachlass möglich – nicht beschränkt auf die Schulden.“

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Wie die Erbschaft ausschlagen?

Um die Erbschaft auszuschlagen, muss eine Frist von sechs Wochen eingehalten werden. Unter bestimmten Bedingungen kann sich die Frist laut Anwältin aber auf sechs Monate verlängern, wenn zum Beispiel der Erblasser seinen letzten Wohnsitz im Ausland hatte oder sich der Erbe bei Beginn der Frist im Ausland aufhält. Aber wann beginnt überhaupt die Frist? „Die Frist beginnt ab dem Tag, an dem der Erbe vom Tod des Erblassers sowie dem Grund der Berufung erfährt“, weiß Karen Baas. „Berufung“ meint an dieser Stelle die Kenntnis des Erben darüber, ob er aufgrund gesetzlicher oder gewillkürter Erbfolge erbt. Allerdings gibt es auch hier ein paar Einschränkungen:

  • bei gesetzlicher Erbfolge: Die Frist beginnt, wenn der Erbe Kenntnis vom Verwandtschaftsverhältnis und dem Nichtvorhandensein einer letztwilligen Verfügung (zum Beispiel Testament oder Erbvertrag) erlangt.
  • bei letztwilliger Verfügung: Die Frist beginnt, wenn die letztwillige Verfügung vom Nachlassgericht bekannt gegeben wurde.

Wichtig

Um das Erbe auszuschlagen, muss die Erklärung innerhalb der Frist zur Niederschrift oder in öffentlich beglaubigter Form beim Nachlassgericht erfolgen.

Welche Vermögenswerte fließen in das Erbe ein?

Entscheidet man sich dafür, das Erbe anzunehmen, kommen viele Fragen auf, wie zum Beispiel: Was gehört eigentlich zu den vererbbaren Vermögenswerten? Die Fachanwältin weiß Bescheid: „Grundsätzlich gehört das gesamte Vermögen zum Erbe. Neben Immobilien, Kontoguthaben und Aktiendepots gehören ebenfalls Schmuck, Fahrzeuge sowie der gesamte Hausrat zum Nachlass.“

Auch Firmenanteile können weitervererbt werden! Je nach Gesellschaftsform fällt das Erbe jedoch unterschiedlich aus: „GmbH-Anteile sind zum Beispiel vererblich und gehören deshalb zum Nachlass. Gleiches gilt für Aktienanteile einer AG. Ein bisschen komplizierter sieht es bei einer KG aus: Scheidet ein persönlich haftender Gesellschafter aus und ist nichts Abweichendes im Gesellschaftsvertrag geregelt, haben die Erben einen Abfindungsanspruch. Beim Tod eines Kommanditisten treten die Erben in die Gesellschaft ein“, so Rechtsanwältin Karen Baas.

Der letzte Wille: Was kann ich zu Lebzeiten regeln? Wo gibt es rechtliche Grenzen?

Ein Todesfall in der Familie ist allein schon schlimm genug. Um sich dann auch noch mit den Verwandten über das verbliebene Vermögen zu streiten, fehlt oft die Kraft. Eine letztwillige Verfügung, wie zum Beispiel ein Erbvertrag oder ein Testament, könnte in einem solchen Fall vieles klären – wenn sie denn richtig verfasst wurde. „In einem Testament kann man Regelungen über das gesamte eigene Vermögen treffen“, weiß die ROLAND-Partneranwältin. „So kann man beispielsweise Erben benennen, einzelne Gegenstände als Vermächtnisse übertragen, Teilungsanordnungen treffen oder eine Vor- und Nacherbfolge anordnen. Ebenso kann man dem Erben seinen Pflichtteil entziehen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dazu gegeben sind.“ Den letzten Willen solltest du also bestenfalls schriftlich festhalten. So kannst du auch sicher sein, dass nach dem eigenen Tod alles so aufgeteilt wird wie du es dir vorgestellt hast.

Doch Vorsicht! Nicht alles ist erlaubt. Denn bei jeder letztwilligen Verfügung gibt es auch rechtliche Einschränkungen: „Niemand darf zum Beispiel durch ein Testament oder einen Vertrag dazu verpflichtet werden, selbst ein Testament zu errichten bzw. nicht zu errichten. Ebenso ist ein Testament nichtig, das zugunsten eines Heimträgers oder Heimmitarbeiters ausfällt, wenn dieser zu Lebzeiten des Erblassers von dem Testament wusste“, so die Rechtsexpertin.

Handschriftliches Testament gültig?

Ich verstehe, dass viele nicht die Kosten und die Mühen auf sich nehmen möchten, für ein Testament zum Anwalt oder Notar zu gehen. Schließlich hat man dafür ja auch noch ewig Zeit, oder nicht? Die gute Nachricht ist: Auch ein handschriftliches Testament ist gültig! Rechtsanwältin Karen Baas erklärt: „Ein Testament kann entweder notariell oder handschriftlich errichtet werden. Schreibt jemand sein Testament selbst, also handschriftlich, darf aber die Unterschrift nicht fehlen. Sonst ist das eigenhändige Testament ungültig.“

Übrigens: Du kannst dein handgeschriebenes Testament auch zu Hause aufbewahren. Pass nur auf! Es ist schon vorgekommen, dass solche Zettel entweder beim Aufräumen aus Versehen im Müll landen oder sogar absichtlich entsorgt werden, um so einen Vorteil gegenüber den anderen Erben zu haben. Wichtig also bei der Nachlass-Regelung: Gut und sicher aufbewahren!

Auf der sicheren Seite ist man, wenn man sich zumindest von einem Anwalt oder Notar beraten lässt. Als Juristen können sie beurteilen, in welchen Fällen ein Testament sinnvoll ist. Die Kosten für ein Erstgespräch mit dem Anwalt liegen in der Regel bei etwa 250 Euro. Diese Investition kann sich gerade im Streitfall mehr als rentieren.

Zu spät: Unstimmigkeiten unter den Erben

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und streitet sich die Familie um das verbliebene Vermögen nach einem Todesfall, solltest du in jedem Fall anwaltliche Beratung hinzuziehen. Denn wie die Rechtsexpertin Karen Baas aus Erfahrung weiß, ist die Vorgehensweise immer vom Einzelfall abhängig. Sind zum Beispiel Kinder oder Eltern durch ein Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen worden, können sie sogenannte Pflichtteilsansprüche geltend machen. Die ROLAND-Partneranwältin dazu: „Die Pflichtteilsquote liegt bei der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der Anspruch umfasst dabei zunächst den Auskunftsanspruch und den Wertermittlungsanspruch gegen den bzw. die Erben. Erst dann kann die Berechnung und darauf die Zahlung erfolgen.“

Laut Fachanwältin Karen Baas trifft sie in ihrem beruflichen Alltag auch immer wieder auf die Frage, ob Kinder schon zu Lebzeiten ihrer Eltern erbrechtliche Ansprüche haben. Diese Frage muss sie jedes Mal mit Nein beantworten: „Selbst wenn die Eltern als potenzielle Erblasser ihr Geld zum Beispiel für teure Urlaube oder einen extravaganten Lebensstil ausgeben, haben die möglichen Erben keinerlei Ansprüche.“

Unsere Partneranwältin

Als Fachanwältin für Erbrecht ist Karen Baas Expertin in allen erbrechtlichen Fragen. Ein zentraler Tätigkeitsschwerpunkt ist dabei seit Jahren die Beratung und Unterstützung ihrer Mandanten bei der Erstellung ihrer privatschriftlichen Testamente. Aber auch bei Regelungen zur Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft oder bei der Geltendmachung von Pflichtteilsansprüchen vertritt Karen Baas die Interessen ihrer Mandanten mit großer Durchsetzungskraft, sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich. Die Rechtsanwältin ist in der Anwaltssozietät Fahr, Groß und Indetzki in Offenburg tätig.

Karen Baas

Karen Baas

Anwaltssozietät Fahr, Groß und Indetzki

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Privatrechtsschutz“