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Taschengeld im Sparschwein.

Taschengeldparagraph: Diese Rechte haben Kinder

Leben & Freizeit

Vor kurzem hat mein kleiner Cousin mit seinen Eltern darüber diskutiert, dass er unbedingt das neuste Fußballtrikot haben müsste. Denn natürlich hätten schon längst alle Freunde aus seiner Klasse das Trikot geschenkt bekommen. Meine Tante antwortete, dass er es ja von seinem Taschengeld kaufen könne. Doch dürfen Kinder überhaupt einfach von ihrem Taschengeld kaufen, was sie möchten?

Darüber habe ich mit Rechtsanwalt Kai Solmecke gesprochen.

Taschengeldparagraph: Was besagt er?

Viele Leute glauben, dass der Taschengeldparagraph vorschreibt, dass Eltern ihren Kindern regelmäßig ein Taschengeld zukommen lassen müssen. Dem ist allerdings nicht so. Vielmehr regelt Paragraph 110 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wann Kinder Geschäfte ohne die Zustimmung ihrer Eltern abschließen dürfen. Konkret wird hier folgendes geschrieben: „Ein von dem Minderjährigen ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters geschlossener Vertrag gilt als von Anfang an wirksam, wenn der Minderjährige die vertragsmäßige Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung von dem Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten überlassen worden sind.“

Hört sich ziemlich kompliziert an? Ist es aber eigentlich gar nicht. Rechtsanwalt Kai Solmecke hat es nochmal einfacher zusammengefasst: „Ab einem Alter von sieben Jahren dürfen sich Kinder von ihrem Taschengeld Dinge kaufen, ohne ihre Eltern um Erlaubnis zu fragen.“ Verbieten Eltern allerdings ausdrücklich, dass ihr Kind bestimmte Waren kauft, ist der Kauf ungültig – auch dann, wenn es sein eigenes Taschengeld verwendet hat. Kinder unter sieben Jahren dürfen übrigens nur in Begleitung ihrer Eltern einen Kauf tätigen.

Was dürfen Kinder kaufen?

Was Minderjährige konkret von ihrem eigenen Taschengeld kaufen dürfen, richtet sich immer nach dem Alter des Kindes. Denn je älter das Kind ist, desto mehr Taschengeld sollte es bekommen. Eine gute Richtlinie bietet hier die Taschengeldtabelle:

Alter des Kindes Taschengeld
4 – 5 Jahre0,50 Euro pro Woche
6 – 7 Jahre1,50 – 2 Euro pro Woche
8 – 9 Jahre2 – 3 Euro pro Woche
10 – 11 Jahre13 – 16 Euro pro Monat
12 – 13 Jahre18 – 22 Euro pro Monat
14 – 15 Jahre25 – 30 Euro pro Monat
16 – 17 Jahre35 – 45 Euro pro Monat
18 Jahre70 Euro pro Monat

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Wenn Kinder sich von ihrem Geld dann beispielsweise ein Buch oder Süßigkeiten kaufen möchte, müssen die Erziehungsberechtigten nicht beim Kauf anwesend sein. Zwar nennt der Taschengeldparagraph keine genaue Summe, für die das Kind einkaufen darf, allerdings hat Rechtsanwalt Kai Solmecke einen hilfreichen Tipp, nach dem man sich richten kann: „Der Kauf muss im angemessenen Rahmen liegen. So dürfen Kinder und Jugendliche nicht einfach einen Fernseher kaufen – auch wenn sie sich das Geld lange angespart haben. Bei solch großen Käufen sollten Verkäufer immer auf die Zustimmung der Eltern bestehen. Hierdurch vermeiden sie einen Umtausch oder im schlimmeren Fall einen späteren Rechtsstreit.“ Bei kleineren Käufen wie beispielsweise Büchern stellt der Taschengeldparagraph aber andererseits auch eine Absicherung für Verkäufer dar, da sie nicht befürchten müssen, dass Eltern den Kauf gleich wieder rückgängig machen. Ohne den Taschengeldparagraphen wären Kinder nämlich erst mit 18 Jahren geschäftsfähig.Die Tabelle gilt auch als Richtlinie für den Taschengeldparagraphen. Natürlich dürfen Eltern ihren Kindern auch mehr Taschengeld geben, als es die Taschengeldtabelle vorsieht.

Abo-Fallen: Wenn das Kind versehentlich einen Vertrag abschließt

Ein falscher Klick im Internet und schon kann es passieren, dass man versehentlich einen Vertrag abschließt. Das kann nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen passieren. Während Erwachsene häufig mit den Folgen leben müssen, sieht dies bei Kindern anders aus. „Der Taschengeldparagraph gilt nur für Barkäufe. Daher sind Verträge, die mit Minderjährigen abgeschlossen wurden, grundsätzlich erst dann wirksam, wenn sie nachträglich von den Eltern genehmigt werden“, so der Rechtsexperte. Daher dürfen Kinder auch keine Handyverträge oder Zeitschriften-Abos ohne Zustimmung der Eltern abschließen. Mit dieser Regelung möchte der Gesetzgeber verhindern, dass Kinder schon früh in die Schuldenfalle tappen.

Haften Eltern für ihre Kinder?

Verträge dürfen mit Minderjährigen nicht ohne Beteiligung der Eltern abgeschlossen werden – das klingt ja schon mal beruhigend. Dennoch versuchen viele Seitenbetreiber, Schadenersatz gegenüber den Eltern geltend zu machen. Doch Eltern können in einem solchen Fall beruhigt sein, denn: „Ein solcher Anspruch besteht grundsätzlich nicht. Es kann Eltern nämlich in der heutigen Zeit nicht zugemutet werden, ihre Kinder ständig beim Surfen im Internet zu überwachen und somit handelt es sich auch nicht um eine Verletzung der Aufsichtspflicht“, erklärt Rechtsanwalt Kai Solmecke.

Unser Partneranwalt

Kai Solmecke kennt sich mit dem Zivilrecht bestens aus. Er ist Gründungspartner der Siegburger Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte, die inzwischen an sechs Standorten im Rheinland vertreten ist. Mit ihrem großen Rechtsanwaltsteam deckt die Kanzlei eine Vielzahl an juristischen Fachgebieten ab, so zum Beispiel Bank- und Kapitalmarktrecht, Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Miet-und WEG-Recht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht. Die Kanzlei vertritt sowohl mittelständische Unternehmen als auch Verbraucher.

Kai Solmecke

Kai Solmecke

Kanzlei Solmecke Rechtsanwälte

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Privatrechtsschutz“